Curious Minds
Hier finden Sie eine Übersicht der von der Wübben Stiftung Wissenschaft geförderten Curious Minds, die mit ihrer Neugier einen Unterschied machen - sei es als Professor:in oder Fellow.
Universität Bielefeld
Gert Aarts: Stark wechselwirkende Materie und maschinelles Lernen
Wie verhält sich Materie unter extremen Bedingungen, wenn ihre Bestandteile sehr stark miteinander interagieren? Dies ist eine der großen ungelösten Fragen der Physik. Um zu ihrer Beantwortung beizutragen, hat die Universität Bielefeld den theoretischen Physiker Gert Aarts von der Swansea University berufen. Er nutzt die Theorie der Quantenchromodynamik (QCD), um die Wechselwirkungen zwischen den fundamentalen Bausteinen der Materie zu erklären. Die Vorhersagen der QCD lassen sich jedoch häufig nicht mit einfachen mathematischen Methoden berechnen. Daher sind anspruchsvolle Simulationen auf leistungsstarken Supercomputern erforderlich. In jüngerer Zeit hat sich künstliche Intelligenz als leistungsfähiges neues Werkzeug in diesem Forschungsfeld etabliert. Aarts entwickelt generative KI-Methoden, die etablierte Monte-Carlo-Simulationstechniken ergänzen und neue Ansätze zur Untersuchung stark wechselwirkender Materie ermöglichen. Gleichzeitig erforscht er, wie Ideen aus der theoretischen Physik die Entwicklung von KI-Methoden der nächsten Generation inspirieren können. So entsteht ein produktiver Austausch zwischen Grundlagenphysik und künstlicher Intelligenz.
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Sinead English: Evolutionäre Antworten auf Umweltveränderungen
Die Evolutionsbiologin Sinead English wechselt von der University of Bristol an die Universität Mainz. Sie untersucht, wie Umweltbedingungen Gesundheit, Fortpflanzung und Krankheitsübertragung prägen – über verschiedene Lebensphasen und Generationen hinweg. Dabei verbindet sie Evolutionsbiologie, Gesundheitsforschung und Klimaforschung. Sie arbeitet mit theoretischen Modellen, Experimenten und vergleichenden Studien. Im Fokus ihrer Forschung liegt das Verständnis der evolutionären Ursachen und Folgen von Schwangerschaft und die Entwicklung von Krankheitsüberträgern. So untersucht sie unter anderem, wie sich Stress während der Schwangerschaft auswirkt. Ihr Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Organismen ihre begrenzten Ressourcen auf Wachstum, Fortpflanzung und Überleben verteilen. Zugleich fragt sie, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für globale Herausforderungen haben – etwa dafür, wie Tiere auf einen raschen Umweltwandel reagieren.
Technische Universität München
David Finken: Wertschöpfung durch technologische Innovationen
David Finken baut ab Dezember 2025 die neu geschaffene Tenure-Track-Professur für Marketing & Technology an der TUM auf. Die Professur ist interdisziplinär angelegt und verbindet sozialpsychologische und organisationswissenschaftliche Erkenntnisse mit praxisnahen Anwendungen. Ziel ist es, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern konkrete Handlungsempfehlungen zu bieten und aufzuzeigen, inwieweit Innovationen durch immersive Technologien und Künstliche Intelligenz gewinnbringend genutzt werden können. David Finkens akademische Vita umfasst Stationen an renommierten Einrichtungen in den USA, in Südkorea, der Schweiz und in Frankreich. Zudem bringt er umfassende Industrieerfahrung mit und engagiert sich in Projekten, die den Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft fördern.
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
Seth Flaxman: Daten und Modellierungen für bessere politische Entscheidungen
Seth Flaxman, Experte für computergestützte Statistik, Künstliche Intelligenz und datengetriebene Politikberatung, wechselt von der University of Oxford an die RPTU. In seiner Forschung will er untersuchen, wie Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll, nachvollziehbar und fair in gesellschaftlich wichtigen Bereichen eingesetzt werden kann. Ziel ist es, politische Entscheidungen besser zu bewerten, und neue Erkenntnisse zu Gesundheit, Ernährungssicherheit, Demografie und sozialer Ungleichheit zu gewinnen. In seiner Forschung verbindet er methodische Grundlagen mit Anwendungen in globaler Gesundheit, Bevölkerungsgesundheit, Epidemiologie und Umweltwissenschaften. Seine Studie über die Auswirkungen nicht-pharmazeutischer Maßnahmen zur Covid-19-Bekämpfung in Europa zählt zu den meistzitierten Arbeiten des Fachgebiets und beeinflusste politische Entscheidungen weltweit. Vor der Pandemie veröffentlichte einflussreiche Arbeiten zu Filterblasen und Echokammern im Internet. Als Katalysator und Vermittler über Fachgrenzen hinweg wird er die gemeinsame Forschungsinitiative „AI, Computing & Society“ der RPTU und des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme vorantreiben.
Philipps-Universität Marburg
Nadine Leisgang: Quantenmaterialien
Die Physikerin Nadine Leisgang forscht an der Universität Marburg zu neuartigen Quantensystemen, die auf extrem dünnen Materialien – sogenannten zweidimensionalen Materialien – basieren. Diese lassen sich schichtweise wie ein Baukasten zusammensetzen und zeigen eine ungewöhnlich starke Lichtwechselwirkung. Dadurch eignen sie sich für optoelektronische Anwendungen – etwa für besonders kleine Leuchtdioden oder Bauteile der Quantenkommunikation. Die Forschung erfordert hochspezialisierte Geräte zur Herstellung, Strukturierung und Analyse dieser Materialien. Leisgang wurde mehrfach ausgezeichnet und bringt über zehn Jahre internationale Forschungserfahrung mit. Zuletzt arbeitete sie als Postdoktorandin an der Harvard University.
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Stefano Mintchev: Interaktive Drohnen für die Landwirtschaft
Stefano Mintchev, Robotik-Experte, wechselt von der ETH Zürich an die Universität Bonn. Er forscht an Robotern, die sich selbstständig in komplexen natürlichen Umgebungen bewegen. Dank flexibler Materialien, taktiler Sensoren und intelligenter Steuerung sollen die von ihm entwickelten Drohnen Hindernisse erkennen, Kollisionen überstehen und sicher mit empfindlichen Pflanzen, Früchten und Blättern umgehen können. An der Universität Bonn wird er interaktive Drohnentechnologien für die Landwirtschaft, die Umweltüberwachung und die Biodiversitätsforschung weiterentwickeln. Diese Systeme sollen Umwelt-DNA (eDNA) sammeln, von Pflanzen freigesetzte flüchtige Verbindungen direkt im Feld nachweisen und hochauflösende Informationen aus Nutzpflanzen und natürlichen Ökosystemen erfassen. Langfristig soll diese Arbeit die Überwachung der Biodiversität verbessern, die frühzeitige Erkennung von Schädlingen erleichtern und neue Anwendungen in der Präzisionslandwirtschaft ermöglichen, etwa die gezielte Ernte sowie die automatisierte Überwachung von Gesundheit und Qualität landwirtschaftlicher Kulturen.
Hertie School
Violeta Moreno-Lax: Wertekonflikte
Violeta Moreno-Lax, international führende Expertin für internationales und EU-Recht, wechselt an die Hertie School in Berlin. Dort übernimmt sie die Professur für Internationales Recht und die Leitung des Centre for Fundamental Rights (CFR). Als Direktorin des CFR wird Moreno-Lax zu Wertekonflikten auf internationaler Ebene forschen – einem der zentralen globalen Spannungsfelder unserer Zeit. Werte prägen politische Debatten, beeinflussen Wahlausgänge und wirken auf die Stabilität politischer Systeme. Violeta Moreno-Lax will diese Dynamiken aus rechtlicher, politischer und ethischer Perspektive analysieren – mit besonderem Fokus auf Migration. Sie war Professorin für Rechtswissenschaften an der Queen Mary University of London, wo sie das „(B)OrderS“ Centre for the Legal Study of Borders, Migration and Displacement gegründet hat. Bevor sie zur Hertie School kam, hatte sie die ICREA-Forschungsprofessur für internationales und europäisches Recht an der Universität Barcelona inne. Ihre Arbeiten wurden bereits von führenden Gerichten zitiert, darunter dem Court of Justice of the European Union und dem Belgian Conseil d’État.
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Emanuele Penocchio: Moleküle in Motoren verwandeln
Etablierte Modelle beschreiben Chemie im Gleichgewicht, während molekulare Maschinen – ähnlich wie lebende Zellen – nur fernab davon funktionieren. Fortschritt hängt daher weiterhin weitgehend von glücklichen Zufällen und Intuition ab. Emanuele Penocchio kommt nach Mainz, um diese Lücke zu schließen und die ersten Designregeln für eine Chemie formulieren, die – wie das Leben – niemals zur Ruhe kommt. Er wechselt vom Institut für Supramolekulare Wissenschaft und Ingenieurwesen in Straßburg der Université de Strasbourg, wo er ein Marie-Skłodowska-Curie-Postdoktorandenstipendium innehat. Davor war er mehrere Jahre an der Northwestern University in den USA. In Mainz wird er die theoretischen und computergestützten Methoden entwickeln, die erforderlich sind, um chemische Prozesse unter Nichtgleichgewichtsbedingungen systematisch vorherzusagen, zu gestalten und zu programmieren. Der Nutzen reicht von effizienteren Katalysatoren und einer saubereren, elektrifizierten chemischen Produktion bis hin zu Materialien, die Energie aus ihrer Umgebung nutzen.
Universität Bremen
Masako Tominaga: Erforschung des Tiefseebodens
Die Meeresgeophysikerin Masako Tominaga kommt von der renommierten Woods Hole Oceanographic Institution als Professorin für Meeresgeologie an die Universität Bremen und dessen Forschungszentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM. Tominaga zählt zu den führenden und engagiertesten Meeresforscherinnen ihres Fachgebiets. Sie erforscht den Aufbau des Meeresbodens und die darunter liegenden Schichten sowie die Prozesse, die in der Tiefsee die Ozeane, das Klima und marine Ökosysteme beeinflussen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Wärme, Wasser und chemische Stoffe durch die Erdkruste unter dem Ozean transportiert werden und welche Folgen dies für die Umwelt über unterschiedliche räumliche und zeitliche Skalen hinweg hat. Mithilfe moderner Technologien und geophysikalischer sowie geochemischer Messungen sollen bislang verborgene Prozesse in der Tiefsee und anderen extremen Umgebungen entschlüsselt werden. Dazu gehören hydrothermale Quellen, eisbedeckte Polarregionen und sogar ozeanische Welten außerhalb der Erde. Ihre Studien verbessern das Verständnis zentraler Prozesse im Erdsystem und fördern zugleich technologische Innovationen für die Meeresforschung.
Universität Duisburg-Essen
Erna Wieduwilt: Plastikabbau durch Kupferenzyme
Die Chemikerin Erna Wieduwilt wird an der Universität Duisburg-Essen zum enzymatischen Kunststoffabbau forschen. Ihr Ansatz verbindet Kristallographie, maschinelles Lernen, Enzymologie und computergestützte Chemie. Dabei nutzt sie Enzyme aus dem Biomasseabbau, die auch synthetische Polymere spalten können – mit dem Ziel, diese für das Kunststoffrecycling weiterzuentwickeln. Ihr innovativer Zugang verspricht Fortschritte im Umgang mit der wachsenden Menge an Plastikmüll. Wieduwilt forschte zuletzt als Postdoktorandin an der University of Southern Denmark im Rahmen eines Marie-Skłodowska-Curie-Fellowships. Zuvor hat sie an der Universität Lorraine in Frankreich promoviert. Neben den Mitteln der Stiftung wurde ihre Berufung durch das Rückkehrprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglicht.
















