Julian Thayer
©Gene Glover
Pressemitteilung

Herz und Psyche neu denken: Welt­weit füh­ren­der Psy­cho­phy­sio­lo­ge wech­selt an die Charité

Der in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­te Psy­cho­phy­sio­lo­ge Julian F. Thayer ist mit Un­ter­stüt­zung der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft an die Charité – Uni­ver­si­täts­me­di­zin Berlin ge­wech­selt. Er hat Anfang April 2026 die Pro­fes­sur für Psy­cho­lo­gi­sche Wis­sen­schaf­ten und Psy­cho­phy­sio­lo­gie über­nom­men. Mit dieser Be­ru­fung stärkt die Charité gezielt ihre in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­po­si­ti­on an der Schnitt­stel­le von psy­chi­scher und kör­per­li­cher Ge­sund­heit. Seine For­schung ist von hoher ge­sell­schaft­li­cher Re­le­vanz. Die An­tritts­vor­le­sung hält Julian F. Thayer am Diens­tag, den 12. Mai 2026, um 16 Uhr.

Welt­weit zählt De­pres­si­on zu den häu­figs­ten psy­chi­schen Er­kran­kun­gen und ist nicht nur eine psy­chi­sche, sondern auch eine sys­te­mi­sche Er­kran­kung mit er­heb­li­chen Folgen für das Herz-Kreis­lauf-System. Ein zen­tra­ler bio­lo­gi­scher Marker ist die Herz­fre­quenz­va­ria­bi­li­tät (HRV), ein di­rek­ter In­di­ka­tor für die Fä­hig­keit des Körpers, fle­xi­bel auf Be­las­tung zu re­agie­ren. Nied­ri­ge HRV-Werte gehen oft mit einer De­pres­si­on und un­güns­ti­gen Krank­heits­ver­läu­fen einher.

Doch genau dieses eta­blier­te Bild stellt Thayers For­schung grund­le­gend infrage: Frauen mit einer De­pres­si­on haben häufig eine höhere HRV als nicht-de­pres­si­ve Frauen. Dieser Befund wi­der­spricht gän­gi­gen Mo­del­len und weist auf bislang über­se­he­ne, ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Me­cha­nis­men hin. Mög­li­che Ein­fluss­fak­to­ren sind Hor­mon­sta­tus, Stra­te­gi­en der Emo­ti­ons­re­gu­la­ti­on und der Mens­trua­ti­ons­zy­klus. Thayers For­schung deutet darauf hin, dass Frauen unter Stress aktive kom­pen­sa­to­ri­sche Re­gu­la­ti­ons­me­cha­nis­men ein­set­zen – ein bislang un­zu­rei­chend ver­stan­de­ner Prozess mit di­rek­ter kli­ni­scher Re­le­vanz. Genau hier setzt Thayers For­schung an der Charité an: Sie schafft die Grund­la­ge für prä­zi­se­re, per­so­na­li­sier­te Be­hand­lungs­stra­te­gi­en, die bio­lo­gi­sche Un­ter­schie­de sys­te­ma­tisch be­rück­sich­ti­gen. 

Grund­la­gen für ge­schlechts­spe­zi­fi­sche The­ra­pi­en

„Wir müssen genauer ver­ste­hen, wie bio­lo­gi­sche und psy­cho­lo­gi­sche Pro­zes­se zu­sam­men­wir­ken – und wie sie sich zwi­schen Frauen und Männern un­ter­schei­den“, sagt Julian Thayer. „Nur so können wir The­ra­pi­en ge­ziel­ter und wirk­sa­mer machen. Ich freue mich, meine For­schung in Berlin forst­set­zen zu können.“ Ziel ist es, aus diesen Me­cha­nis­men kon­kre­te, per­so­na­li­sier­te Be­hand­lungs­stra­te­gi­en ab­zu­lei­ten. Dies könnte The­ra­pie­er­fol­ge ver­bes­sern und die Be­las­tung der Ge­sund­heits­sys­te­me durch De­pres­si­on senken. 

Pionier trans­la­tio­na­ler Ansätze

Thayer hat über 700 wis­sen­schaft­li­che Ar­bei­ten ver­öf­fent­licht, wurde laut Google Scholar mehr als 80.000-mal zitiert und viel­fach aus­ge­zeich­net. 2023 wurde er in die Na­tio­nal Academy of Me­di­ci­ne der USA auf­ge­nom­men. Julian Thayer gilt als Pionier trans­la­tio­na­ler Ansätze, die direkt in die Ver­sor­gung wirken. Zuletzt war er an der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia in Irvine tätig. „Mit Julian Thayer gewinnt die Charité einen For­scher, der ein ganzes Feld geprägt hat“, sagt Heyo Kroemer, der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Charité. „Seine Arbeit ver­bin­det ex­zel­len­te Grund­la­gen­for­schung mit kon­kre­tem Nutzen für Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten, ver­tieft unsere trans­at­lan­ti­schen Ko­ope­ra­tio­nen und fördert den in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Aus­tausch.“ An der Charité wird Thayer eng mit der Ar­beits­grup­pe Kli­ni­sche Neu­ro­tech­no­lo­gie unter der Leitung von Surjo Soe­ka­dar zu­sam­men­ar­bei­ten – mit dem Ziel, neu­ro­tech­no­lo­gi­sche und psy­cho­phy­si­sche Ansätze für die Be­hand­lung psych­ia­tri­scher Er­kran­kun­gen zu in­te­grie­ren. Ver­schie­de­ne Ver­bün­de und Ein­rich­tun­gen pro­fi­tie­ren von der Be­ru­fung Thayers, dar­un­ter der Ex­zel­lenz­clus­ter Neu­ro­cu­re und das Charité Center for Global Health. 

Ad­van­ced Pro­fes­sor­ship-Pro­gramm

Die Be­ru­fung er­folg­te mit Un­ter­stüt­zung durch das Ad­van­ced Pro­fes­sor­ship-Pro­gramm der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft in Höhe von 1,6 Mil­lio­nen Euro. Julian Thayer bringt zwei Post­dok­to­ran­den aus den USA mit an die Charité. „Die Be­ru­fung ver­deut­licht, wie fle­xi­ble För­de­rung in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­for­schung nach Deutsch­land holt und weitere ex­zel­len­te For­schen­de anzieht“, sagt Marion Müller, Ge­schäfts­füh­re­rin der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft. „So ent­steht für junge Wis­sen­schaft­ler:innen ein Umfeld mit hoher in­ter­na­tio­na­ler Strahl­kraft.“ 

An­tritts­vor­le­sung am 12. Mai

Am Diens­tag, den 12.05.2026, um 16 Uhr findet im Karl-West­phal-Hörsaal der Ner­ven­kli­nik (Campus Charité Mitte, Bon­hoef­fer­weg 3, Vor­der­haus) ein Wis­sen­schaft­li­ches Kol­lo­qui­um mit Julian Thayer statt, das zu­gleich auch den Rahmen für seine An­tritts­vor­le­sung bildet. Der Vortrag „Sex Dif­fe­ren­ces in De­pres­si­on: A Neu­ro­vis­ceral In­te­gra­ti­on Per­spec­tive” be­han­delt die Themen af­fek­ti­ve Stö­run­gen, bio­lo­gi­sche Psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie, Prä­ven­ti­ons­for­schung und in­no­va­ti­ve Be­hand­lungs­an­sät­ze bei De­pres­sio­nen.

Hier ge­lan­gen Sie zum In­ter­view mit Julian Thayer in der Zeit-Wissen-Ausgabe Nr. 6/2025

Über die Stif­tung 
Die Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft, eine private För­der­stif­tung in Berlin, stärkt den Wis­sen­schafts- und For­schungs­stand­ort Deutsch­land. Sie fördert in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­for­scher:innen und un­ter­stützt Uni­ver­si­tä­ten bei stra­te­gi­schen Be­ru­fun­gen. Mit ihren För­der­pro­gram­men macht sie deut­sche Uni­ver­si­tä­ten in­ter­na­tio­nal sicht­ba­rer und wett­be­werbs­fä­hi­ger.

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