Nicholas Güsken
©Leonie_Meyer_UPB
Tenure Track Professorship
Uni­ver­si­tät Pa­der­bornQuan­ten­phy­sik

Nicholas Güsken

Wie wird Licht zum In­for­ma­ti­ons­trä­ger der Zukunft?

Das Ver­ständ­nis der Wech­sel­wir­kung von Licht und Materie auf kleins­ter Ebene bildet die Grund­la­ge vieler neuer Tech­no­lo­gi­en – ins­be­son­de­re für Quan­ten­tech­no­lo­gi­en. Der Phy­si­ker Ni­cho­las Güsken ver­bin­det Grund­la­gen­for­schung in der Quan­ten­op­tik mit In­ge­nieurs­wis­sen. An der Uni­ver­si­tät Pa­der­born ent­wi­ckelt er die Bau­stei­ne für pho­to­ni­sche Quan­ten­tech­no­lo­gi­en und Quan­ten­netz­wer­ke.

Es sind die kleins­ten En­er­gie­pa­ke­te des Lichts, die Ni­cho­las Güsken kon­trol­lie­ren will – die Pho­to­nen. Sie weisen quan­ten­me­cha­ni­sche Ei­gen­schaf­ten auf und können fas­zi­nie­ren­der­wei­se eine Viel­zahl von Zu­stän­den zu­gleich an­neh­men. Ein ein­zel­nes Photon kann schein­bar auf meh­re­ren Wegen gleich­zei­tig un­ter­wegs sein, in un­ter­schied­li­che Rich­tun­gen zu­gleich schwin­gen oder auch  un­ter­schied­li­che Farben an­neh­men. Erst bei einer Messung wird aus dieser Über­la­ge­rung ein ein­deu­tig er­kenn­ba­rer Zustand. „Werden mehrere solcher Quan­ten­zu­stän­de gezielt mit­ein­an­der ge­kop­pelt, wächst der so ab­bild­ba­re In­for­ma­ti­ons­ge­halt über die mög­li­chen Zu­stän­de stark an“, sagt Ni­cho­las Güsken, der 2025 als Ju­ni­or­pro­fes­sor für Quan­ten­pho­to­nik und Op­to­elek­tro­nik an die Uni­ver­si­tät Pa­der­born berufen wurde. „Darauf beruht ein we­sent­li­cher Vorteil von Quan­ten­com­pu­tern ge­gen­über klas­si­schen Rech­nern.“

Unser Ziel ist es, Licht auf kleins­ter Ebene zu kon­trol­lie­ren.

Nicholas Güsken

Die Quan­ten­pho­to­nik macht sich diese quan­ten­me­cha­ni­schen Ei­gen­schaf­ten des Lichts zu Nutze, sie erzeugt gezielt ein­zel­ne Pho­to­nen, kon­trol­liert und koppelt sie. „Wir ma­ni­pu­lie­ren Atome oder atom­ar­ti­ge Quan­ten­sys­te­me, die Pho­to­nen aus­sen­den, und in­te­grie­ren sie als Schnitt­stel­len auf Chips – so wollen wir Quan­ten­ei­gen­schaf­ten für Kom­mu­ni­ka­ti­on, Be­rech­nun­gen oder Sen­so­rik nutzbar zu machen“, sagt Güsken. „Unser Ziel ist es, Licht auf kleins­ter Ebene zu kon­trol­lie­ren.“ Damit schafft Ni­cho­las Güsken wich­ti­ge Grund­la­gen für  Quan­ten­netz­wer­ke, -com­pu­ter und -mess­ge­rä­te der Zukunft. Eine Zukunft, die in großen Teilen auf Licht gebaut sein wird.

Na­no­fa­bri­ka­ti­on der Welt­klas­se

Die Quan­ten­sys­te­me, die Güsken un­ter­sucht, sind in op­ti­sche Schalt­krei­se in­te­grier­te, so­ge­nann­te Ein­zel­pho­to­nen­quel­len. Es sind die zen­tra­len licht­emit­tie­ren­de Bau­stei­ne pho­to­ni­scher Quan­ten­netz­wer­ke. Ionen der Sel­te­nen Erde Erbium sind als Ein­zel­pho­to­nen­quel­len be­son­ders viel­ver­spre­chend. Sie senden Licht im In­fra­rot­be­reich aus, also in der Nähe der Wel­len­län­gen, die bereits für die op­ti­sche Da­ten­über­tra­gung in Glas­fa­sern genutzt werden.

Seit einigen Jahren ver­su­chen For­schen­de welt­weit, Erbium auch als Quan­ten­licht­quel­le ein­zu­set­zen. „Erbium ist eine sehr stabile Ein­zel­pho­to­nen­quel­le, die wir in op­ti­sche Chips ein­bau­en und so op­ti­mie­ren wollen, dass sie die ge­wünsch­ten op­ti­schen Ei­gen­schaf­ten besitzt“, sagt Güsken. „Unser Ziel ist es, Erbium dazu zu bringen, quasi auf Knopf­druck ein­zel­ne, un­un­ter­scheid­ba­re Pho­to­nen aus­zu­sen­den deren Fre­quenz wir aktiv kon­trol­lie­ren können und dadurch eine für Quan­ten­netz­wer­ke nutz­ba­re Quelle zu eta­blie­ren.“

Bereits während seiner Zeit als Post­dok­to­rand an der Stan­ford Uni­ver­si­ty in Ka­li­for­ni­en forsch­te Ni­cho­las Güsken an Wel­len­lei­tern mit ein­ge­bau­tem Erbium. Ihm gelang es, durch die ge­schick­te Aus­nut­zung von Quan­ten­ef­fek­ten, die Um­ge­bung der Er­bi­um­ato­me so zu ma­ni­pu­lie­ren, dass sie die Anzahl der aus­ge­sen­de­ten Pho­to­nen stark erhöhen. Dies ist be­son­ders wichtig, da Erbium eine sehr schwa­che Licht­quel­le ist. Ein­flüs­se wie Tem­pe­ra­tur, Kris­tall­de­fek­te oder Elek­tro­nen­fluk­tua­ti­on können seine Sta­bi­li­tät stören und so bei­spiels­wei­se die Farbe ver­schie­ben, mit der es Pho­to­nen ab­son­dert. Güsken ver­sucht jetzt in Pa­der­born, diese „Stör­ge­räu­sche“ durch aktive Kon­trol­le der elek­tro­ma­gne­ti­schen Felder in der di­rek­ten Um­ge­bung der in­te­grier­ten Er­bi­um­io­nen zu sta­bi­li­sie­ren und die Fre­quenz ein­stell­bar zu machen.

Wir un­ter­hal­ten hier quasi eine eigene kleine Chip­fa­brik.

Nicholas Güsken

Dafür pro­du­ziert er mit seinem Team eigene Erbium-Proben, op­ti­miert diese durch Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen und testet Hy­po­the­sen sowie Pro­to­ty­pen im eigenen op­ti­schen Labor. Die ex­pe­ri­men­tel­len Mög­lich­kei­ten an der Uni­ver­si­tät Pa­der­born er­mög­li­chen die Fa­bri­ka­ti­on von pho­to­ni­schen Chips mit ge­ziel­ter Im­plan­ta­ti­on der Erbium-Atome in die Wel­len­lei­ter und von anderen aktiven, na­no­pho­to­ni­schen Platt­for­men. „Wir un­ter­hal­ten hier quasi eine eigene kleine Chip­fa­brik“, sagt Güsken. „Dieses hohe Niveau der Na­no­fa­bri­ka­ti­on als auch der ex­pe­ri­men­tel­len Cha­rak­te­ri­sie­rungs­mög­lich­kei­ten ist absolut ent­schei­dend für Spit­zen­tech­no­lo­gie.“

Eine Lauf­bahn im Lichte der Pho­to­nen

Ni­cho­las Güsken fand früh zum Licht. Nach dem Studium der Physik an der RWTH Aachen und der Na­no­ma­te­ri­al­wis­sen­schaf­ten an der Sor­bon­ne in Paris, be­fass­te er sich für seine Dok­tor­ar­beit am Im­pe­ri­al College in London mit dem Gebiet der in­te­grier­ten Na­no­pho­to­nik. Dabei handelt es sich um einen Un­ter­be­reich der Optik und der Fest­kör­per­phy­sik, der er­grün­det, wie Licht auf kleins­ter Ebene ma­ni­pu­liert werden kann. „In der in­te­grier­ten Na­no­pho­to­nik geht es darum, die Wech­sel­wir­kung von Licht und Materie nah am, oder teils sogar weit unter, dem Bre­chungs­li­mit zu ma­ni­pu­lie­ren“, sagt Güsken. Hierbei lassen sich sehr starke Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Licht und fluo­res­zie­ren­den Ma­te­ria­li­en er­zeu­gen. Au­ßer­dem er­mög­licht die in­te­grier­te Na­no­pho­to­nik op­ti­sche Systeme ska­lier­bar zu machen. Dies er­öff­net weit­rei­chen­de neue tech­no­lo­gi­sche Mög­lich­kei­ten, die durch klas­si­sche Lin­sen­sys­te­me nicht möglich wären.

Es war eine Ent­schei­dung Geld gegen Liebe und ich habe mich für die Liebe ent­schie­den: die Wis­sen­schaft.

Nicholas Güsken

Ein Ab­ste­cher in die freie Wirt­schaft, als lei­ten­der For­schungs- und Ent­wick­lungs­in­ge­nieur eines Deep-Tech-Spin­offs der ETH Zürich hätte Güsken fast von der Grund­la­gen­for­schung ab­ge­bracht, aber nach gut einem Jahr zog es ihn zurück an die Uni­ver­si­tät. Er ging mit einem Leo­pol­di­na Postdoc Fel­low­ship an das re­nom­mier­te Geballe La­bo­ra­to­ry for Ad­van­ced Ma­te­ri­als der Stan­ford Uni­ver­si­ty. „Es war eine Ent­schei­dung Geld gegen Liebe und ich habe mich für die Liebe ent­schie­den: die Wis­sen­schaft“, sagt Güsken. „Die Dichte an sehr in­ter­es­san­ten Leuten, die Lust haben, etwas Neues zu kre­ieren und in neue Rich­tun­gen denken, ist in Stan­ford extrem hoch –  das hat mich an­ge­zo­gen.“ An­ge­bo­te aus dem Silicon Valley, sowie von Uni­ver­si­tä­ten aus den USA folgten. Erneut ent­schied er sich für die Wis­sen­schaft– und für Europa.

Von Ka­li­for­ni­en nach Pa­der­born – eine Ent­schei­dung für Spit­zen­for­schung

An die Uni­ver­si­tät Pa­der­born kam Ni­cho­las Güsken 2025, weil sich hier das In­sti­tut für Pho­to­ni­sche Quan­ten­sys­te­me im Aufbau be­fin­det. Rund 140 Wis­sen­schaft­ler:innen aus In­for­ma­tik, Ma­the­ma­tik, Elek­tro­tech­nik und Physik for­schen in Pa­der­born mit ex­zel­len­ter tech­ni­scher Aus­stat­tung zu den ak­tu­el­len Fragen der Quan­ten­pho­to­nik. „Es kommt hier alles zu­sam­men, was man braucht, um neu­ar­ti­ge pho­to­ni­sche Quan­ten­sys­te­me auf­zu­bau­en und Spit­zen­for­schung zu be­trei­ben“, sagt Güsken.

Eine För­de­rung der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft und die Un­ter­stüt­zung durch das nord­rhein-west­fä­li­sche Rück­kehr­pro­gramm für junge Wis­sen­schaft­ler:innen sowie eine Tenure-Track-Ju­ni­or­pro­fes­sur haben Güsken die Ent­schei­dung er­leich­tert. Die Start­be­din­gun­gen als auch das Angebot aus Pa­der­born waren so at­trak­tiv, dass er Ka­li­for­ni­en den Rücken zu­kehr­te und weitere An­ge­bo­te für Tenure-Track-Pro­fes­su­ren in den USA aus­schlug. „Der For­schungs­be­reich der In­te­grier­ten Pho­to­nik und Quan­ten­op­tik be­nö­tigt hohe Startin­ves­ti­tio­nen auf­grund der auf­wen­di­gen Fa­bri­ka­ti­ons­an­la­gen sowie des spe­zia­li­sier­ten Equip­ments“, sagt Güsken. „Hier ist die Uni­ver­si­tät Pa­der­born stark auf­ge­stellt.“

Die Uni­ver­si­tät, an der seit 2024 der erste licht­ba­sier­te Quan­ten­com­pu­ter Deutsch­lands läuft, hat für Ni­cho­las Güsken die rich­ti­gen Weichen ge­stellt, um im in­ter­na­tio­na­len Kon­kur­renz­um­feld zu be­stehen – vor allem durch eine klare Fo­kus­sie­rung auf die Be­rei­che Quan­ten­pho­to­nik, Quan­ten­op­tik und Op­to­elek­tro­nik. „Wir sind hier alle un­ab­hän­gi­ge For­scher:innen, aber wir bewegen uns ge­mein­sam in eine Rich­tung und dadurch kann viel Gutes ent­ste­hen“, sagt er. Er selbst will neben den pra­xis­na­hen Pro­jek­ten auch wei­ter­hin auf er­geb­nis­of­fe­ne Grund­la­gen­for­schung setzen. „Wie jeden Wis­sen­schaft­ler und jede Wis­sen­schaft­le­rin reizt es mich, Effekte zu finden, die wir nicht er­war­tet haben und dazu bei­zu­tra­gen, unser Grund­la­gen­ver­ständ­nis über die Natur zu er­wei­tern“, so Güsken.

Nicholas Güsken
©Luci Va­len­ti­ne Pho­to­gra­phy, Ca­li­for­nia, USA

Der Quan­ten­phy­si­ker Ni­cho­las Güsken ist seit 2025 Tenure-Track Pro­fes­sor für Quan­ten­pho­to­nik & Op­to­elek­tro­nik am In­sti­tut für Pho­to­ni­sche Quan­ten­sys­te­me (PhoQS) sowie am Center for Op­toelec­tro­nics and Pho­to­nics (CeOPP) der Uni­ver­si­tät Pa­der­born. Zuvor war er Post­dok­to­rand an der Stan­ford Uni­ver­si­ty und als lei­ten­der For­schungs- und Ent­wick­lungs­in­ge­nieur bei dem Schwei­zer Deep Tech-Un­ter­neh­men Po­la­ri­ton Tech­no­lo­gies (nun Marvell Tech­no­lo­gy, Inc.), einem Spinoff der ETH Zürich, in Zürich tätig. Seine Dok­tor­ar­beit hat er am Im­pe­ri­al College in London ver­fasst. Er hat Physik, Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten sowie Na­no­tech­no­lo­gie an der RWTH Aachen sowie der Sor­bon­ne in Paris stu­diert.