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Pressemitteilung

Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft er­mög­licht sechs Spit­zen­be­ru­fun­gen aus den USA, Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und der Schweiz

Die Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft fördert mit 6,7 Mil­lio­nen Euro die Be­ru­fung von sechs in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ten Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern an deut­sche Uni­ver­si­tä­ten. Zu den Fach­ge­bie­ten zählen Mee­res­for­schung, Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie, theo­re­ti­sche Physik, theo­re­ti­sche Chemie, Ma­te­ri­al­che­mie und Robotik. Die For­sche­rin­nen und For­scher kommen von der Uni­ver­si­ty of Bristol, der Uni­ver­sité de Stras­bourg, der Swansea Uni­ver­si­ty, der ETH Zürich, der Woods Hole Ocea­no­gra­phic In­sti­tu­ti­on in Mas­sa­chu­setts und einem US-Un­ter­neh­men für So­lar­mo­du­le. Mit den in­ter­na­tio­na­len Be­ru­fun­gen sollen stra­te­gisch wich­ti­ge For­schungs­fel­der an deut­schen Hoch­schu­len ge­stärkt werden.

„Mit unseren För­der­pro­gram­men er­mög­li­chen wir Uni­ver­si­tä­ten, in­ter­na­tio­na­len Spit­zen­wis­sen­schaft­ler:innen An­ge­bo­te zu machen, die für einen Wechsel nach Deutsch­land oft aus­schlag­ge­bend sind", sagt Marion Müller, Ge­schäfts­füh­re­rin der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft. Die Stif­tung über­nimmt nicht nur Per­so­nal- und Aus­stat­tungs­kos­ten, sondern un­ter­stützt auch On­boar­ding- und Dual-Career-Maß­nah­men für die For­schen­den und ihre Fa­mi­li­en. Gerade bei Be­ru­fun­gen aus dem Ausland sind solche Hilfen ent­schei­dend, da viele Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler weder die deut­sche Sprache noch die Struk­tu­ren des Wis­sen­schafts­sys­tems kennen. 15 Prozent der ins­ge­sam­ten För­der­sum­me wird für On­boar­ding-Mittel zur Ver­fü­gung ge­stellt.

Die ein­zel­nen För­de­run­gen:

Gert Aarts
©privat

Universität Bielefeld

Gert Aarts: Stark wech­sel­wir­ken­de Materie in Ver­bin­dung mit ma­schi­nel­lem Lernen

Wie verhält sich Materie unter ex­tre­men Be­din­gun­gen, wenn ihre Be­stand­tei­le sehr stark mit­ein­an­der in­ter­agie­ren? Dies ist eine der großen un­ge­lös­ten Fragen der Physik. Um zu ihrer Be­ant­wor­tung bei­zu­tra­gen, hat die Uni­ver­si­tät Bie­le­feld den theo­re­ti­schen Phy­si­ker Gert Aarts von der Swansea Uni­ver­si­ty berufen. Er nutzt die Theorie der Quan­ten­chro­mo­dy­na­mik (QCD), um die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen den fun­da­men­ta­len Bau­stei­nen der Materie zu er­klä­ren. Die Vor­her­sa­gen der QCD lassen sich jedoch häufig nicht mit ein­fa­chen ma­the­ma­ti­schen Me­tho­den be­rech­nen. Daher sind an­spruchs­vol­le Si­mu­la­tio­nen auf leis­tungs­star­ken Su­per­com­pu­tern er­for­der­lich. In jün­ge­rer Zeit hat sich künst­li­che In­tel­li­genz als leis­tungs­fä­hi­ges neues Werk­zeug in diesem For­schungs­feld eta­bliert. Aarts ent­wi­ckelt ge­ne­ra­ti­ve KI-Me­tho­den, die eta­blier­te Monte-Carlo-Si­mu­la­ti­ons­tech­ni­ken er­gän­zen und neue Ansätze zur Un­ter­su­chung stark wech­sel­wir­ken­der Materie er­mög­li­chen. Gleich­zei­tig er­forscht er, wie Ideen aus der theo­re­ti­schen Physik die Ent­wick­lung von KI-Me­tho­den der nächs­ten Ge­nera­ti­on in­spi­rie­ren können. So ent­steht ein pro­duk­ti­ver Aus­tausch zwi­schen Grund­la­gen­phy­sik und künst­li­cher In­tel­li­genz.

Sinead English
©Sinead English

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Sinead English: Ent­wick­lungs­ge­schicht­li­che und evo­lu­tio­nä­re Ant­wor­ten auf Um­welt­ver­än­de­run­gen

Die Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gin Sinead English wech­selt von der Uni­ver­si­ty of Bristol an die Uni­ver­si­tät Mainz. Sie un­ter­sucht, wie Um­welt­be­din­gun­gen Ge­sund­heit, Fort­pflan­zung und Krank­heits­über­tra­gung prägen – über ver­schie­de­ne Le­bens­pha­sen und Ge­nera­tio­nen hinweg. Dabei ver­bin­det sie Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie, Ge­sund­heits­for­schung und Kli­ma­for­schung. Sie ar­bei­tet mit theo­re­ti­schen Mo­del­len, Ex­pe­ri­men­ten und ver­glei­chen­den Studien. Im Fokus ihrer For­schung liegt das Ver­ständ­nis der evo­lu­tio­nä­ren Ur­sa­chen und Folgen von Schwan­ger­schaft und die Ent­wick­lung von Krank­heits­über­trä­gern. So un­ter­sucht sie unter anderem, wie sich Stress während der Schwan­ger­schaft aus­wirkt. Ihr Ziel ist es, besser zu ver­ste­hen, wie Or­ga­nis­men ihre be­grenz­ten Res­sour­cen auf Wachs­tum, Fort­pflan­zung und Über­le­ben ver­tei­len. Zu­gleich fragt sie, welche Be­deu­tung diese Er­kennt­nis­se für globale Her­aus­for­de­run­gen haben – etwa dafür, wie Tiere auf einen raschen Um­welt­wan­del re­agie­ren.

Matthias Grotevent
©Michael Schwett­mann

Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Dort­mund

Mat­thi­as Gro­te­vent: Na­no­ma­te­ria­li­en für die En­er­gie­wen­de

Der Che­mi­ker Mat­thi­as Gro­te­vent ent­wi­ckelt in­no­va­ti­ve Na­no­ma­te­ria­li­en für die En­er­gie­wen­de und mi­nia­tu­ri­sier­te op­ti­sche Tech­no­lo­gi­en. Seine For­schung könnte die Her­stel­lung von Na­no­ma­te­ria­li­en grund­le­gend ver­ein­fa­chen, leis­tungs­fä­hi­ge­re und güns­ti­ge­re So­lar­zel­len er­mög­li­chen sowie neue An­wen­dun­gen in trag­ba­rer Elek­tro­nik und kleinen Sa­tel­li­ten er­öff­nen. So plant er unter anderem lang­fris­tig ein voll­stän­dig mi­nia­tu­ri­sier­tes In­fra­rot-Spek­tro­me­ter zu ent­wi­ckeln, das die für den All­tags­ein­satz nötige Sen­si­ti­vi­tät er­reicht und sich in Smart­pho­nes in­te­grie­ren lässt. Gro­te­vent ver­bin­det ex­zel­len­te Grund­la­gen­for­schung mit In­dus­trie­er­fah­rung. Er forsch­te an der ETH Zürich, dem Schwei­zer For­schungs­in­sti­tut Empa und am Mas­sa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy (MIT) in der Gruppe des Chemie-No­bel­preis­trä­gers Moungi G. Bawendi. Vor seinem Wechsel nach Dort­mund war er For­schungs­di­rek­tor eines US-Startup-Un­ter­neh­mens für fle­xi­ble So­lar­mo­du­le.

Stefano Mintchev
©Raf­fa­el­lo Ferone

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Stefano Mint­chev: In­ter­ak­ti­ve Drohnen für die Land­wirt­schaft

Stefano Mint­chev, Robotik-Experte, wech­selt von der ETH Zürich an die Uni­ver­si­tät Bonn. Er forscht an Ro­bo­tern, die sich selbst­stän­dig in kom­ple­xen na­tür­li­chen Um­ge­bun­gen bewegen. Dank fle­xi­bler Ma­te­ria­li­en, tak­ti­ler Sen­so­ren und in­tel­li­gen­ter Steue­rung sollen die von ihm ent­wi­ckel­ten Drohnen Hin­der­nis­se er­ken­nen, Kol­li­sio­nen über­ste­hen und sicher mit emp­find­li­chen Pflan­zen, Früch­ten und Blät­tern umgehen können. An der Uni­ver­si­tät Bonn wird er in­ter­ak­ti­ve Droh­nen­tech­no­lo­gi­en für die Land­wirt­schaft, die Um­welt­über­wa­chung und die Bio­di­ver­si­täts­for­schung wei­ter­ent­wi­ckeln. Diese Systeme sollen Umwelt-DNA (eDNA) sammeln, von Pflan­zen frei­ge­setz­te flüch­ti­ge Ver­bin­dun­gen direkt im Feld nach­wei­sen und hoch­auf­lö­sen­de In­for­ma­tio­nen aus Nutz­pflan­zen und na­tür­li­chen Öko­sys­te­men er­fas­sen. Lang­fris­tig soll diese Arbeit die Über­wa­chung der Bio­di­ver­si­tät ver­bes­sern, die früh­zei­ti­ge Er­ken­nung von Schäd­lin­gen er­leich­tern und neue An­wen­dun­gen in der Prä­zi­si­ons­land­wirt­schaft er­mög­li­chen, etwa die ge­ziel­te Ernte sowie die au­to­ma­ti­sier­te Über­wa­chung von Ge­sund­heit und Qua­li­tät land­wirt­schaft­li­cher Kul­tu­ren.

Emanuele Penocchio
©Giulia Guerini

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Ema­nue­le Penoc­chio: Mo­le­kü­le in Motoren ver­wan­deln

Das Ver­ständ­nis der Ther­mo­dy­na­mik er­mög­lich­te die Ent­wick­lung der Dampf­ma­schi­ne und trieb die erste in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on voran. Heute weisen künst­li­che mo­le­ku­la­re Ma­schi­nen den Weg zu einer mög­li­chen „na­no­in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on“. Doch die Theorie, die für ihr ge­ziel­tes Design er­for­der­lich ist, fehlt bislang. Eta­blier­te Modelle be­schrei­ben Chemie im Gleich­ge­wicht, während mo­le­ku­la­re Ma­schi­nen – ähnlich wie lebende Zellen – nur fernab davon funk­tio­nie­ren. Fort­schritt hängt daher wei­ter­hin weit­ge­hend von glück­li­chen Zu­fäl­len und In­tui­ti­on ab. Ema­nue­le Penoc­chio kommt nach Mainz, um diese Lücke zu schlie­ßen und die ersten De­sign­re­geln für eine Chemie for­mu­lie­ren, die – wie das Leben – niemals zur Ruhe kommt. Er wech­selt vom In­sti­tut für Su­pra­mo­le­ku­la­re Wis­sen­schaft und In­ge­nieur­we­sen in Straß­burg der Uni­ver­sité de Stras­bourg, wo er ein Marie-Skło­dow­s­ka-Curie-Post­dok­to­ran­den­sti­pen­di­um innehat. Davor war er mehrere Jahre an der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty in den USA. In Mainz wird er die theo­re­ti­schen und com­pu­ter­ge­stütz­ten Me­tho­den ent­wi­ckeln, die er­for­der­lich sind, um che­mi­sche Pro­zes­se unter Nicht­gleich­ge­wichts­be­din­gun­gen sys­te­ma­tisch vor­her­zu­sa­gen, zu ge­stal­ten und zu pro­gram­mie­ren. Der Nutzen reicht von ef­fi­zi­en­te­ren Ka­ta­ly­sa­to­ren und einer sau­be­re­ren, elek­tri­fi­zier­ten che­mi­schen Pro­duk­ti­on bis hin zu Ma­te­ria­li­en, die Energie aus ihrer Um­ge­bung nutzen.

Masako Tominaga
©Masako Tomi­na­ga

Universität Bremen

Masako Tomi­na­ga: Er­for­schung des Tief­see­bo­dens

Die Mee­res­geo­phy­si­ke­rin Masako Tomi­na­ga kommt von der re­nom­mier­ten Woods Hole Ocea­no­gra­phic In­sti­tu­ti­on als Pro­fes­so­rin für Mee­res­geo­lo­gie an die Uni­ver­si­tät Bremen und dessen For­schungs­zen­trum für Marine Um­welt­wis­sen­schaf­ten MARUM. Tomi­na­ga zählt zu den füh­ren­den und en­ga­gier­tes­ten Mee­res­for­sche­rin­nen ihres Fach­ge­biets. Sie er­forscht den Aufbau des Mee­res­bo­dens und die dar­un­ter lie­gen­den Schich­ten sowie die Pro­zes­se, die in der Tiefsee die Ozeane, das Klima und marine Öko­sys­te­me be­ein­flus­sen. Im Mit­tel­punkt steht die Frage, wie Wärme, Wasser und che­mi­sche Stoffe durch die Erd­krus­te unter dem Ozean trans­por­tiert werden und welche Folgen dies für die Umwelt über un­ter­schied­li­che räum­li­che und zeit­li­che Skalen hinweg hat. Mit­hil­fe mo­der­ner Tech­no­lo­gi­en und geo­phy­si­ka­li­scher sowie geo­che­mi­scher Mes­sun­gen sollen bislang ver­bor­ge­ne Pro­zes­se in der Tiefsee und anderen ex­tre­men Um­ge­bun­gen ent­schlüs­selt werden. Dazu gehören hy­dro­ther­ma­le Quellen, eis­be­deck­te Po­lar­re­gio­nen und sogar ozea­ni­sche Welten au­ßer­halb der Erde. Ihre Studien ver­bes­sern das Ver­ständ­nis zen­tra­ler Pro­zes­se im Erd­sys­tem und fördern zu­gleich tech­no­lo­gi­sche In­no­va­tio­nen für die Mee­res­for­schung.

Über die Stif­tung

Die Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft, eine private För­der­stif­tung in Berlin, stärkt den Wis­sen­schafts- und For­schungs­stand­ort Deutsch­land. Sie fördert in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­for­schen­de und un­ter­stützt Uni­ver­si­tä­ten bei stra­te­gi­schen Be­ru­fun­gen. Mit ihren För­der­pro­gram­men macht sie deut­sche Uni­ver­si­tä­ten in­ter­na­tio­nal sicht­ba­rer und wett­be­werbs­fä­hi­ger.

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