Dominik Schöndorf
©Chris­ti­an Schütz/ UKS
Sandpit
Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­landsLe­bens­wis­sen­schaf­ten

Moderne Versorgung in der Kinderonkologie

Wie kann die Ver­sor­gungs­lü­cke zwi­schen Kran­ken­haus­bett und Kin­der­zim­mer ge­schlos­sen werden?

Wenn Kinder an Krebs er­kran­ken, trifft es ihre Fa­mi­li­en hart. Der Alltag wird zur Be­las­tung. Viele Hilfs­an­ge­bo­te enden am Eingang des Kran­ken­hau­ses. Bei einem Sandpit der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft suchten Me­di­zi­ner:innen, Tech­ni­ker:innen und An­ge­hö­ri­ge nach di­gi­ta­len Lö­sun­gen, um die Ver­sor­gungs­lü­cke zwi­schen Kran­ken­haus­bett und Kin­der­zim­mer zu schlie­ßen.

Wie ein in­tel­li­gen­tes Heim-Mo­ni­to­ring samt mo­du­la­rer Platt­form zum Aus­tausch zwi­schen Be­trof­fe­nen und Be­hand­le­rin­nen und Be­hand­lern die Ver­sor­gung so weit möglich aus der Klinik nach Hause bringen könnte, das war Thema eines Mee­tings im Sandpit-Format. Gleich zu Beginn des drei­tä­gi­gen Ide­en­aus­tauschs be­rich­te­te ein be­trof­fe­ner Vater von seinem an Leuk­ämie er­krank­ten Sohn. Davon, dass bei ihm der Krebs nicht auf die The­ra­pie an­sprach, eine Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on folgen musste und wie das alles die Familie an den Rand der Be­last­bar­keit brachte. „Das Kind ist er­freu­li­cher­wei­se wieder gesund und in Be­ob­ach­tung, aber die Familie muss jetzt in den Alltag hin­ein­fin­den“, sagt der Kin­deron­ko­lo­ge Dominik Schön­dorf, der den kleinen Pa­ti­en­ten am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­lan­des betreut. Noch immer müssen die Eltern re­gel­mä­ßig den weiten Weg zur Nach­sor­ge in die Klinik zu­rück­le­gen, zudem zu­sätz­lich zu re­gu­lä­ren Ter­mi­nen kommen, wenn neue Sym­pto­me auf­tre­ten.

Wir wollen die klas­si­schen Grenzen zwi­schen kli­ni­scher Be­hand­lung und am­bu­lan­ter Be­hand­lung zu Hause über­win­den, um Fa­mi­li­en mit Ver­sor­gungs­an­ge­bo­ten und tech­ni­schen Lö­sun­gen besser zu un­ter­stüt­zen.

Dominik Schöndorf

Im Mai 2025 fanden sich 25 Fach­leu­te und Be­trof­fe­ne in Saar­brü­cken zu­sam­men, um drei Tage lang über Mög­lich­kei­ten zu dis­ku­tie­ren, wie sich der schwere Weg, den Fa­mi­li­en nach der Krebs­dia­gno­se eines Kindes gehen müssen – die so­ge­nann­te patient journey etwas leich­ter machen ließe. „Wir wollen die klas­si­schen Grenzen zwi­schen kli­ni­scher Be­hand­lung und am­bu­lan­ter Be­hand­lung zu Hause über­win­den, um Fa­mi­li­en mit Ver­sor­gungs­an­ge­bo­ten und tech­ni­schen Lö­sun­gen besser zu un­ter­stüt­zen“, sagt Schön­dorf.

Diese Band­brei­te der Mit­wir­ken­den ist völlig konträr zu me­di­zi­ni­schen Fach­ta­gun­gen, bei denen Themen zwar in ex­tre­mer Tiefe durch­drun­gen werden, aber eben nur aus me­di­zi­ni­scher Sicht.

Dominik Schöndorf

Den Rahmen für den Ide­en­aus­tausch gab das Sandpit-Format der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft, das For­schen­de dazu einlädt, neue Fra­gen in in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Teams zu durch­drin­gen und kon­kre­te Pro­jekt­ide­en zu ent­wi­ckeln. „Der Sandpit hat uns sehr ge­hol­fen aus dem üb­li­chen Si­lo­den­ken her­aus­zu­kom­men und uns ge­gen­sei­tig zu­zu­hö­ren“, sagt Schön­dorf, der den Sandpit be­an­tragt hat. Die Expert:innen kamen unter anderem aus der Kin­deron­ko­lo­gie, Psy­cho­lo­gie, Künst­li­cher In­tel­li­genz, Recht, Sen­so­rik und Soft­ware­ent­wick­lung. Ex­pli­zit wurden Be­trof­fe­ne als Expert:innen ihrer Er­kran­kung ins Zentrum des Pro­zes­ses ge­stellt. „Diese Band­brei­te der Mit­wir­ken­den ist völlig konträr zu me­di­zi­ni­schen Fach­ta­gun­gen, bei denen Themen zwar in ex­tre­mer Tiefe durch­drun­gen werden, aber eben nur aus me­di­zi­ni­scher Sicht.“

Deutsch­land­weit er­kran­ken jähr­lich etwa 2250 Kinder und Ju­gend­li­che unter 18 Jahren an Krebs. Dabei sind Akute Leuk­ämi­en und Hirn­tu­mo­re am häu­figs­ten, gefolgt von Lymph­drü­sen­krebs. Die Hei­lungs­quo­ten liegen mit über 80 Prozent deut­lich höher als bei Er­wach­se­nen. Doch die Be­hand­lun­gen sind wei­ter­hin sehr be­las­tend, kör­per­lich wie psy­chisch. Bei einer akuten Leuk­ämie etwa, schließt sich nach einer in­ten­si­ven Che­mo­the­ra­pie für sechs bis acht Monate, eine Er­hal­tungs­the­ra­pie bis zwei Jahre nach Dia­gno­se mit re­gel­mä­ßi­ger Me­di­ka­men­ten­ein­nah­me an – wenn alles gut läuft.

Das Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­lan­des bietet den Be­trof­fe­nen ab dem Tag der Dia­gno­se ein um­fas­sen­des Be­treu­ungs­pa­ket an. Eine Psy­cho­lo­gin kümmert sich um die ganze Familie und eine So­zi­al­ar­bei­te­rin hilft ihnen, den Alltag zu meis­tern. Um den An­schluss in der Schule nicht zu ver­lie­ren, kommt eine Leh­re­rin ans Kran­ken­bett und Er­go­the­ra­peut:innen und Mu­sik­the­ra­peut:innen halten sie kör­per­lich und psy­chisch fit. Doch nach der Ent­las­sung fallen viele An­ge­bo­te weg oder sind nur mit er­höh­tem Aufwand er­reich­bar, gerade wenn die Fa­mi­li­en weit weg wohnen.

Um­fas­sen­de Be­treu­ung – die kom­plet­te patient journey im Blick

Im Zentrum der Sandpit-Dis­kus­si­on stand daher die Frage, wie sich der Blick und auf die gesamte patient journey ver­bes­sern lässt – von der Dia­gno­se bis zur Nach­sor­ge. Wann und wie eine sta­tio­nä­re Be­hand­lung zum Bei­spiel durch eine weniger be­las­ten­de Be­hand­lung zu Hause ersetzt werden kann. Bei einer akuten Leuk­ämie müssen die Kinder wie­der­holt an vier auf­ein­an­der­fol­gen­den Tagen für jeweils eine einzige In­jek­ti­on in die Am­bu­lanz kommen, obwohl jede Fahrt dorthin mit kör­per­li­cher und psy­chi­scher Be­las­tung ver­bun­den ist. „Wir haben ge­mein­sam aus­ge­lo­tet, welchen Teil der The­ra­pie wir ohne Risiko auch zu Hause an­bie­ten können, um die Fa­mi­li­en zu ent­las­ten“, erzählt Schön­dorf.

Viele Kinder und ihre Eltern sind nach der in­ten­si­ven The­ra­pie er­schöpft und nie­der­ge­schla­gen, da wollen wir ihnen raus­hel­fen oder, noch lieber, vor­beu­gend aktiv sein.

Dominik Schöndorf

Ein wich­ti­ger Teil der patient journey ist auch die Zeit nach der The­ra­pie, wenn die Familie mit un­ge­wis­ser Zu­kunfts­aus­sicht zurück ins Leben finden müssen. „Viele Kinder und ihre Eltern sind nach der in­ten­si­ven The­ra­pie er­schöpft und nie­der­ge­schla­gen, da wollen wir ihnen raus­hel­fen oder, noch lieber, vor­beu­gend aktiv sein“, sagt Schön­dorf. Gerade in dieser Zeit sei ge­ziel­te Un­ter­stüt­zung von un­schätz­ba­rem Wert.

Der Sandpit gab den Frei­raum, um zu­sam­men mit Be­trof­fe­nen Ansätze zu ent­wi­ckeln, um die Un­ter­stüt­zungs­lü­cken zu schlie­ßen. In Design-Thin­king-Übungen skiz­zier­ten die Teil­neh­men­den ihre mu­tigs­ten Ideen und dis­ku­tier­ten sie an­schlie­ßend in Klein­grup­pen. „Wir haben dann ge­mein­sam be­schlos­sen, welche davon wir wei­ter­ver­fol­gen“, sagt Schön­dorf.

Di­gi­ta­le Lö­sun­gen für kom­for­ta­ble und ef­fi­zi­en­te Un­ter­stüt­zung

Vor allem ad­ap­ti­ve di­gi­ta­le Lö­sun­gen stell­ten sich als viel­ver­spre­chend heraus – nicht zuletzt auf­grund von Res­soucen- und Per­so­nal­man­gel im Ge­sund­heits­we­sen. Seit dem an­fäng­li­chen Ide­en­aus­tausch hat sich eine Kern­grup­pe aus dem Sandpit mehr­fach ge­trof­fen, um die wich­tigs­ten Lö­sungs­vor­schlä­ge gezielt vor­an­zu­trei­ben.

So soll ein in­tel­li­gen­tes Home-Mo­ni­to­ring von Herz­ra­te, Sauer­stoff­sät­ti­gung oder Kör­per­tem­pe­ra­tur die Über­wa­chung von frisch ent­las­se­nen Kindern er­leich­tern und bei­spiels­wei­se In­fek­tio­nen früh er­ken­nen. Eine di­gi­ta­le Platt­form könnte zu­sätz­lich zum Home-Mo­ni­to­ring helfen, be­han­deln­den Ärzt:innen Fotos und Videos zu über­mit­teln, um Kom­pli­ka­tio­nen ef­fi­zi­ent ab­zu­klä­ren – und einen Kli­nik­be­such wo­mög­lich zu ver­mei­den. „Ein mobiles Pfle­ge­team könnte dann bei Bedarf re­agie­ren und zu der Familie fahren, um das Kind zu be­han­deln“, sagt Schön­dorf.

Mehrere Ideen mün­de­ten in die Ent­schei­dung, eine di­gi­ta­le Platt­form zu ent­wi­ckeln, die ver­schie­de­ne Module in sich vereint. Diese App könnte an Me­di­ka­men­ten­ein­nah­me er­in­nern, die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Ärzt:innen er­leich­tern, wich­ti­ge Daten des Home-Mo­ni­to­rings über­mit­teln oder auch Kran­ken­haus­in­for­ma­tio­nen mit Hilfe von Künst­li­cher In­tel­li­genz in einer ver­ständ­li­chen di­gi­ta­len Pa­ti­en­ten­ak­te bündeln.

Wir wün­schen uns, dass die Platt­form von allen Kin­deron­ko­log:innen und ihren Patient:innen in Deutsch­land aktiv genutzt und mit­ge­stal­tet wird. Bes­ten­falls können wir damit den Fa­mi­li­en helfen, die Anzahl der sta­tio­nä­ren Be­hand­lun­gen bei krebs­kran­ken Kindern ver­rin­gern sowie Be­gleit­for­schung er­mög­li­chen, gerade im Bereich von Le­bens­qua­li­tät.

Dominik Schöndorf

Auch die phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on könnte mit der App deut­lich ver­bes­sert werden. Ein kleines ani­mier­tes Tier auf einem Tablet könnte das Kind zwi­schen den Phy­sio­the­ra­pie­ter­mi­nen zum Bewegen ani­mie­ren, in­di­vi­dua­li­sier­te Übungen vor­schla­gen – und die kor­rek­te Durch­füh­rung per Vi­deo­ana­ly­se kon­trol­lie­ren.

Für die Ent­wick­lung der mo­du­la­ren App als zu­ge­las­se­nes Me­di­zin­pro­dukt ist eine Un­ter­neh­mens­grün­dung mit wis­sen­schaft­li­cher Be­ra­tung durch das Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­lan­des geplant (siehe In­ter­view). „Wir wün­schen uns, dass die Platt­form von allen Kin­deron­ko­log:innen und ihren Patient:innen in Deutsch­land aktiv genutzt und mit­ge­stal­tet wird“, sagt Schön­dorf. „Bes­ten­falls können wir damit den Fa­mi­li­en helfen, die Anzahl der sta­tio­nä­ren Be­hand­lun­gen bei krebs­kran­ken Kindern ver­rin­gern sowie Be­gleit­for­schung er­mög­li­chen, gerade im Bereich von Le­bens­qua­li­tät.“

Dominik Schöndorf
©Chris­ti­an Schütz/ UKS

Dominik Schön­dorf ist Ober­arzt am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­lands und Fach­arzt für Kinder- und Ju­gend­me­di­zin, Schwer­punkt Kinder-Hä­ma­to­lo­gie und -On­ko­lo­gie, Kinder- und Jugend-Pneu­mo­lo­gie sowie All­er­go­lo­gie. Sein be­son­de­res In­ter­es­se gilt der In­te­gra­ti­on von KI sowohl in die kli­ni­sche als auch in die nicht-kli­ni­sche Ver­sor­gung, z. B. im häus­li­chen Umfeld, sowie deren An­wen­dung in dia­gnos­ti­schen und the­ra­peu­ti­schen Pro­zes­sen, mit be­son­de­rem Au­gen­merk auf Ri­si­ko­ma­nage­ment und die Schu­lung aller Mit­ar­bei­ten­den.

Vom ersten Brain­stor­ming bis zum For­schungs­pro­jekt: In den Sand­pits der Wübben Stif­tung ent­ste­hen neue und mutige Ideen für die For­schung. Hier geht es zum För­der­pro­gramm.

Ankit Singh
©privat

Nachgefragt bei: Ankit Singh

«Von der Dia­gno­se bis zur Ge­ne­sung: eine App als di­gi­ta­ler Be­glei­ter für krebs­kran­ke Kinder»

Als Soft­ware­ent­wick­ler und Digital-Health-Experte haben Sie die Per­spek­ti­ve der App-Ent­wick­lung in den Sandpit zur Kin­deron­ko­lo­gie ein­ge­bracht. Wie be­rei­chernd waren für Sie die Per­spek­ti­ven der anderen Teil­neh­men­den?

Be­son­ders wert­voll war für mich die Per­spek­ti­ve der Eltern eines krebs­kran­ken Kindes. Ihre Teil­nah­me er­mög­lich­te uns, aus erster Hand zu ver­ste­hen, was eine Krebs­er­kran­kung in emo­tio­na­ler, so­zia­ler und prak­ti­scher Hin­sicht für die ganze Familie be­deu­tet. Das brachte ein Maß an Rea­li­täts­nä­he, Emo­tio­na­li­tät und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein in den Raum, das eine aka­de­mi­sche Dis­kus­si­on allein niemals hätte be­wir­ken können. Zudem be­rei­cher­ten Expert:innen aus vielen Fach­be­rei­chen den Aus­tausch. Gerade im Ge­sund­heits­we­sen ist eine in­ter­dis­zi­pli­nä­re Dis­kus­si­on ent­schei­dend, da die Her­aus­for­de­run­gen selten nur rein tech­ni­scher, kli­ni­scher oder or­ga­ni­sa­to­ri­scher Natur sind. Sie liegen an der Schnitt­stel­le von Medizin, Psy­cho­lo­gie, Re­ha­bi­li­ta­ti­on, Ethik, Fa­mi­li­en­le­ben, Sys­tem­de­sign und prak­ti­scher Um­set­zung. Wenn all diese Per­spek­ti­ven zu­sam­men­kom­men, wird die Dis­kus­si­on reich­hal­ti­ger, fun­dier­ter und rea­lis­ti­scher. Der Sandpit hat mir auch gezeigt, wie wert­voll es ist, einen Raum zu schaf­fen, in dem Fach­wis­sen kon­struk­tiv auf­ein­an­der­trifft, Un­si­cher­heit erlaubt ist und erste Ideen durch Dialog wachsen können, anstatt vor­schnell be­wer­tet zu werden.

 

Ein Er­geb­nis des Aus­tauschs ist, dass Sie mit anderen Sandpit-Teil­neh­men­den eine App zur Un­ter­stüt­zung von an Krebs er­krank­ten Kindern und ihren An­ge­hö­ri­gen ent­wi­ckeln. Was wird diese App bieten?

Fa­mi­li­en, die mit Krebs kon­fron­tiert sind, tragen oft eine enorme Last. Für viele sind die schwie­rigs­ten Momente nicht allein im Kran­ken­haus, sondern auch danach, wenn sie mit ihren Kindern wieder zu Hause sind und ver­su­chen, mit den Un­si­cher­hei­ten fertig zu werden. Unsere App „Ge­nie­CA­RE.AI“ soll Kinder und Ju­gend­li­che mit Krebs sowie ihre Fa­mi­li­en von der Dia­gno­se an über Präha­bi­li­ta­ti­on, Be­hand­lung, Ge­ne­sung und Pflege im Alltag auf eine kon­ti­nu­ier­li­che, prak­ti­sche und mensch­li­che Weise un­ter­stüt­zen. Sie soll den Fa­mi­li­en mit ver­ständ­li­chen und si­tua­ti­ons­be­zo­ge­nen An­lei­tun­gen helfen, damit sie Sym­pto­me be­ob­ach­ten und das Wohl­be­fin­den ihrer Kinder un­ter­stüt­zen können. So schaf­fen wir eine Brücke zwi­schen der Kran­ken­haus­ver­sor­gung und dem Leben zu Hause, un­ter­stüt­zen die Re­ha­bi­li­ta­ti­on und fördern Be­we­gung. Ge­nie­CA­RE ist auf einer Deep-Tech-Grund­la­ge auf­ge­baut, die es er­mög­licht, diese Un­ter­stüt­zung dy­na­misch und per­so­na­li­siert in jeder Phase der on­ko­lo­gi­schen Er­kran­kung be­reit­zu­stel­len. Unser Ziel ist, dass Fa­mi­li­en die App als ver­trau­ens­wür­di­gen Be­glei­ter wahr­neh­men, der Ori­en­tie­rung bietet und ihnen hilft, sich auf dieser extrem schwie­ri­gen Reise weniger allein zu fühlen. Für Ärzte und Pfle­ge­teams kann Ge­nie­CA­RE zudem In­for­ma­tio­nen über den Zustand der Patient:innen liefern und kli­ni­sche Emp­feh­lun­gen stärker mit den realen Leben ver­bin­den.

 

Warum können tech­ni­sche Lö­sun­gen wie diese gerade im Ge­sund­heits­we­sen helfen, Lücken in der Ver­sor­gung zu schlie­ßen?

Im Ge­sund­heits­we­sen ver­lau­fen die In­for­ma­tio­nen oft zwi­schen vielen Fach­leu­ten und Ein­rich­tun­gen. Patient:innen und ihre An­ge­hö­ri­ge müssen einen Groß­teil der Ko­or­di­na­ti­ons­ar­beit selbst über­neh­men. Gute tech­ni­sche Lö­sun­gen können helfen, diese Lücken zu schlie­ßen. Sie können den In­for­ma­ti­ons­fluss un­ter­stüt­zen, die Trans­pa­renz ver­bes­sern, die Be­treu­ung per­so­na­li­sie­ren, eine bessere Nach­sor­ge er­mög­li­chen und eine Ver­bin­dung zwi­schen dem Ge­sche­hen in der Klinik und zu Hause her­stel­len. Mit Ge­nie­CA­RE.AI beginnt diese Un­ter­stüt­zung bereits zum Zeit­punkt der Dia­gno­se, ein­schließ­lich Präha­bi­li­ta­ti­on, sodass Fa­mi­li­en von Anfang an einen ver­läss­li­chen Be­glei­ter haben und nicht erst während oder nach dem Kran­ken­haus­auf­ent­halt. Die Deep-Tech-Grund­la­ge der Platt­form er­mög­licht es, diese Un­ter­stüt­zung dy­na­misch an die je­wei­li­ge Si­tua­ti­on der Patient:innen an­zu­pas­sen. Der Sandpit hat mir ver­deut­licht, wie wichtig es ist, die Per­spek­ti­ve der Be­trof­fe­nen ein­zu­be­zie­hen. Patient:innen und Fa­mi­li­en wissen am ehesten, was sie im Alltag über­wäl­tigt, Ängste auslöst oder nur schwer zu meis­tern ist – und welche Art von Un­ter­stüt­zung ihnen tat­säch­lich hilft. Wir ent­wi­ckeln Ge­nie­CA­RE.AI in engem Dialog mit Nutzer:innen und anderen In­ter­es­sen­grup­pen, dar­un­ter Pfle­ge­teams, Onkolog:innen, Pfle­ge­per­so­nal und kli­ni­sche Ko­or­di­na­tor:innen, damit reale Be­dürf­nis­se jede Ent­wick­lungs­pha­se prägen. Ohne solche Er­fah­run­gen aus der Praxis besteht die Gefahr, dass selbst tech­nisch fort­schritt­li­che Lö­sun­gen in der Rea­li­tät nicht funk­tio­nie­ren. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn es um Krank­hei­ten wie Krebs geht, bei denen die emo­tio­na­le, soziale und prak­ti­sche Be­las­tung enorm ist. Ich bin der festen Über­zeu­gung, dass wir di­gi­ta­le Ge­sund­heits­lö­sun­gen daher immer mit den Men­schen und nicht nur für die Men­schen ent­wi­ckelt sollten.

Ankit Singh ist ein mul­ti­dis­zi­pli­nä­rer Experte für Me­di­zin­tech­nik und di­gi­ta­le Ge­sund­heit mit Er­fah­rung in den Be­rei­chen Soft­ware­ent­wick­lung, Pro­dukt­ma­nage­ment und di­gi­ta­le In­no­va­ti­on. Derzeit leitet er den Bereich Smart Con­nec­tivi­ty So­lu­ti­ons Ope­ra­ti­ons bei der Siemens Healt­hi­neers AG und baut par­al­lel dazu sein Start-up auf, das Ge­nie­CA­RE.AI ent­wi­ckelt, einen di­gi­ta­len Krebs­be­glei­ter, der zu­nächst für Kinder gedacht ist, um Kinder, Ju­gend­li­che und junge Er­wach­se­ne (CAYA) mit Krebs zu un­ter­stüt­zen, und später auf die on­ko­lo­gi­sche Ver­sor­gung von Er­wach­se­nen aus­ge­wei­tet werden soll.