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Pressemitteilung

Mehr als Bü­ro­kra­tie­ab­bau: Sieben Pro­jek­te ent­wi­ckeln Ideen für die Ver­wal­tung von morgen

Zum Jah­res­the­ma „Bü­ro­kra­tie ver­ste­hen, ge­stal­ten, ver­än­dern“ fördert die Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft sieben Sandpit-Vor­ha­ben an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten mit jeweils bis zu 50.000 Euro. Die Themen der Sand­pits reichen von ad­ap­ti­ven Ver­wal­tungs­sys­te­men über die di­gi­ta­le Ko­di­fi­zie­rung von Recht bis zu mehr Au­to­no­mie im Schul­we­sen. Sie un­ter­su­chen, wann Bü­ro­kra­tie schützt, wann sie be­las­tet und wie sie so ver­än­dert werden kann, dass sie Men­schen, In­sti­tu­tio­nen und ge­sell­schaft­li­chen Auf­ga­ben besser dient.

„Die ge­för­der­ten Sand­pits zeigen, wie viel­fäl­tig sich dieses Thema er­for­schen lässt, und ver­deut­li­chen, dass Bü­ro­kra­tie kein reines Ver­wal­tungs­pro­blem ist. Sie prägt unser Ge­mein­we­sen in jeder Hin­sicht, sei es in Schulen, auf Bau­stel­len oder beim Kli­ma­schutz. Deshalb braucht ihre Wei­ter­ent­wick­lung For­schung, die dis­zi­pli­nen­über­grei­fend vorgeht und Pra­xis­fra­gen ernst nimmt“, sagt Peter-André Alt, der Spre­cher der Ge­schäfts­füh­rung der Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft. Gesucht wurden Vor­ha­ben, die eta­blier­te Denk­mus­ter ver­las­sen und neue Per­spek­ti­ven auf Ver­wal­tung, Re­gu­lie­rung und Go­ver­nan­ce er­öff­nen. Ein an­ony­mi­sier­tes Be­gut­ach­tungs­ver­fah­ren ent­schied über die För­de­rung. Kri­te­ri­en waren In­no­va­ti­ons­kraft, Ori­gi­na­li­tät, in­ter­dis­zi­pli­nä­re Aus­rich­tung, ge­sell­schaft­li­che Re­le­vanz, An­wen­dungs­per­spek­ti­ven und An­schluss­fä­hig­keit für weitere Pro­jek­te.

Die ge­för­der­ten Vor­ha­ben:

Law as Code / Deut­sche Uni­ver­si­tät für Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten Speyer
Das Projekt un­ter­sucht, wie Gesetze in di­gi­ta­le Regeln über­setzt werden können („Law as Code“), um Ver­wal­tun­gen ef­fi­zi­en­ter zu machen, ohne dabei ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­me­cha­nis­men zu schwä­chen. Zu­gleich prüft es, wo Au­to­ma­ti­sie­rung an ihre Grenzen stößt, etwa bei Ein­zel­fall­prü­fung, Ver­hält­nis­mä­ßig­keit oder mensch­li­cher Kon­trol­le. Ziel ist es, Leit­li­ni­en, Prüf­kri­te­ri­en und kon­kre­te Pro­jekt­ide­en zu ent­wi­ckeln, damit „Law as Code“ Bü­ro­kra­tie abbaut, ohne Grund­rech­te und Fair­ness zu ge­fähr­den.

Bü­ro­kra­tie neu pro­gram­mie­ren / Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Berlin
Wie kann eine Ver­wal­tung gleich­zei­tig ver­läss­lich, an­pas­sungs­fä­hig und in­no­va­ti­ons­freund­lich sein? Die Teil­neh­mer:innen dieses Sand­pits wollen in einem kol­la­bo­ra­ti­ven De­si­gnex­pe­ri­ment neue bü­ro­kra­ti­sche Steue­rungs­mo­del­le und einen Werk­zeug­kas­ten für eine fle­xi­ble Ver­wal­tung ent­wer­fen. Das Projekt geht von der Prä­mis­se aus, dass Ver­wal­tun­gen dy­na­mi­sche Systeme sind, die wie Soft­ware erprobt, ge­tes­tet und laufend ver­bes­sert werden können. 

Schulen ent­fes­seln / Uni­ver­si­tät Hei­del­berg
Schulen stehen unter wach­sen­dem Do­ku­men­ta­ti­ons- und Re­chen­schafts­druck. Das Sandpit-Vor­ha­ben will Modelle ent­wi­ckeln, die den ein­zel­nen Schulen mehr Hand­lungs­spiel­raum er­öff­nen. Be­richts­pflich­ten sollten deut­lich re­du­ziert, Ver­ant­wor­tung klarer ge­re­gelt und Daten sinn­vol­ler genutzt werden – ohne jedoch recht­li­che Schutz­me­cha­nis­men zu schwä­chen. Schul­auf­sicht, Ver­wal­tung und ein­zel­ne Schulen sollen besser ver­zahnt und der schu­li­sche Alltag dadurch ver­bes­sert werden. 

Bü­ro­kra­tie im Bau­we­sen / Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt
Das Darm­städ­ter Projekt nimmt die Bau­bü­ro­kra­tie in den Blick und fragt, wie sich do­ku­men­ten­ba­sier­te Ver­wal­tungs­ver­fah­ren in ein KI-ge­stütz­tes Öko­sys­tem über­füh­ren lassen. Be­son­ders wichtig ist dabei die „Ac­coun­ta­bi­li­ty Gap“, also die Lücke zwi­schen tech­ni­scher In­no­va­ti­on und recht­li­cher Haftung. Das Sandpit ver­bin­det Bau­in­ge­nieur­we­sen, Rechts­wis­sen­schaft und In­for­ma­tik und will Leit­li­ni­en für sichere Mensch-Ma­schi­ne-Systeme im Bau­we­sen ent­wi­ckeln.

Von Kli­ma­kenn­zah­len zum Pa­pier­kram / Rhei­nisch-West­fä­li­sche Tech­ni­sche Hoch­schu­le Aachen
Warum ist die Be­rech­nung des CO₂-Fuß­ab­drucks von Pro­duk­ten so komplex? In diesem Sandpit 
be­rech­nen die Teil­neh­mer:innen den­sel­ben CO₂-Fuß­ab­druck eines Pro­dukts einmal mit klaren Stan­dards und einmal mit mehr Aus­le­gungs­spiel­raum. So soll sicht­bar werden, an welchen Stellen un­ter­schied­li­che An­nah­men zu ab­wei­chen­den Er­geb­nis­sen, mehr Do­ku­men­ta­ti­on und höheren Kosten führen. Ziel sind ein­fa­che­re, ver­läss­li­che­re Regeln für trans­pa­ren­te Kli­ma­be­rich­te.

Bü­ro­kra­ti­sche Au­to­ri­tät jen­seits des Staates / Uni­ver­si­tät Bay­reuth
Wo ist bü­ro­kra­ti­sche Au­to­ri­tät ver­or­tet, wie wird sie ma­te­ri­ell zu­sam­men­ge­setzt und wie wird Le­gi­ti­ma­ti­on erzeugt? Zur Be­ant­wor­tung dieser Fragen fo­kus­sie­ren die Teil­neh­mer:innen auf re­li­giö­se Or­ga­ni­sa­tio­nen und wie diese Au­to­ri­tät her­stel­len. Hier­durch sollen Bü­ro­kra­tie­theo­ri­en, die auf den Staat aus­ge­rich­tet sind, hin­ter­fragt und In­stru­men­te zur Analyse ad­mi­nis­tra­ti­ver Macht in un­ter­schied­li­chen in­sti­tu­tio­nel­len und geo­po­li­ti­schen Kon­tex­ten ge­schärft werden.

Das Amt als soziale In­sti­tu­ti­on / Uni­ver­si­tät Hamburg
Das Vor­ha­ben rückt das öf­fent­li­che Amt in den Mit­tel­punkt. Nicht nur als or­ga­ni­sa­to­ri­sche Einheit oder recht­li­che Form, sondern als soziale In­sti­tu­ti­on, die auf Regeln, Prak­ti­ken, Ver­trau­en, Tech­no­lo­gi­en und Symbole an­ge­wie­sen ist. Im Sandpit wird un­ter­sucht, was ein Amt aus­macht, wie es Au­to­ri­tät her­stellt und welche nor­ma­ti­ven, so­zia­len, tech­no­lo­gi­schen, äs­the­ti­schen und his­to­ri­schen Res­sour­cen seine Arbeit prägen. Ziel ist ein neues Ver­ständ­nis dessen, was öf­fent­li­che Ämter im ge­sell­schaft­li­chen Alltag leisten.

Sand­pits sind drei­tä­gi­ge, in­ter­dis­zi­pli­nä­re Ide­en­werk­stät­ten, die For­schen­de und Prak­ti­ker zu­sam­men­brin­gen, um neue Fragen zu ent­wi­ckeln und trag­fä­hi­ge Ansätze für Fol­ge­pro­jek­te zu er­ar­bei­ten. Die Stif­tung setzt ein Rah­men­the­ma, macht aber keine wei­te­ren Vor­ga­ben. 

Weitere In­for­ma­tio­nen zum För­der­pro­gramm

Über die Stif­tung
Die Wübben Stif­tung Wis­sen­schaft, eine private För­der­stif­tung in Berlin, stärkt den Wis­sen­schafts- und For­schungs­stand­ort Deutsch­land. Sie fördert in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­for­schen­de und un­ter­stützt Uni­ver­si­tä­ten bei stra­te­gi­schen Be­ru­fun­gen. Mit ihren För­der­pro­gram­men macht sie deut­sche Uni­ver­si­tä­ten in­ter­na­tio­nal sicht­ba­rer und wett­be­werbs­fä­hi­ger. 

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