
Well on Track
Die Universität Mannheim hat 2025 die Informatikerin Pooja Rani für sich gewonnen. Die junge Spitzenforscherin kommt von der Universität Zürich nach Mannheim, wo sie zum Sommersemester 2026 eine unbefristete W3-Professur für Informatik antritt. Global Minds gibt Einblicke in das klug geplante Berufungsverfahren
Wann und mit welchem Ziel begann der Rekrutierungsprozess?
Das wichtigste Ziel zum Zeitpunkt der Ausschreibung im August 2024 war natürlich, die beste Forscherin beziehungsweise den besten Forscher für die Universität Mannheim zu gewinnen. Die erfolgreiche Berufung von Pooja Rani auf die W3-Professur für Informatik war für die Hochschulleitung strategisch besonders bedeutsam, da sie mit ihrer Person und ihrem Forschungsprofil darüber hinaus auch zur weiteren Internationalisierung der Universität beiträgt. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung lag der Anteil internationaler Wissenschaftler:innen an der Universität Mannheim bei 20,8 Prozent, bei den Professuren hatten 10 Prozent eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Welche anfänglichen Schritte und Strategien waren entscheidend für den Erfolg?
Hochschulleitung und Fachbereich haben bei der Berufung an einem Strang gezogen und die Berufung von Pooja Rani mit vereinten Kräften vorangetrieben. Professuren müssen an der Universität Mannheim grundsätzlich international ausgeschrieben werden. Um eine Person mit exzellentem fachlichem Profil zu berufen, wurde breit ausgeschrieben, neben den üblichen Kanälen (z. B. ZEIT, academics, Deutscher Hochschulverband) wurde auch über Informatik-Mailinglisten auf Deutsch und Englisch kommuniziert. Darüber hinaus hat der Fachbereich alle weiteren Netzwerke aktiviert und geeignete Kolleg:innen im In- und Ausland gezielt angeschrieben. Der Anteil an Bewerbungen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag bei 36 Prozent, hiervon waren sechs Prozent österreichische und Schweizer Staatsbürger.
Welche Hindernisse mussten überwunden werden?
Während des Verfahrens wurde deutlich, dass internationale Wissenschaftler:innen häufig durch das hohe Lehrdeputat deutscher Professuren abgeschreckt sind. Sie erwarten zudem – und dies gilt auch gerade in der Karrierephase, in der sich Pooja Rani befindet – die Möglichkeit, sich auf ihre Forschung konzentrieren zu können. Da sich am Lehrdeputat aufgrund gesetzlicher Vorgaben nur in geringem Maße etwas ändern lässt, war eine attraktive Ausstattung für die Rekrutierung von Pooja Rani umso wichtiger. Dies wurde durch die Förderung der Wübben Stiftung Wissenschaft ermöglicht.
Wodurch konnte die Kandidatin schließlich überzeugt werden?
Gerade in der Informatik ist es eine große Herausforderung, eine der wenigen Top-Kandidatinnen zu gewinnen, da diese auf dem internationalen Stellenmarkt stark umworben sind. Entscheidend für den Erfolg war, dass die Universität Mannheim an Pooja Rani ein exzellentes, international konkurrenzfähiges Angebot richten konnte. Drei Faktoren waren dabei entscheidend: Erstens hat die Universität die Professur von vornherein unbefristet ausgeschrieben, und zweitens konnte sie mit Hilfe strategischer Eigenmittel und der Appointment-Accelerator-Förderung der Wübben Stiftung Wissenschaft der Kandidatin eine exzellente Ausstattung anbieten.
Insbesondere im Bereich der Forschungsinfrastruktur waren die Erwartungen von Pooja Rani sehr hoch. Die Universität konnte dank der Fördergelder eine optimale Rechnerinfrastruktur und Zugang zu High Perfomance Computing sowie ein Team anbieten, das deutlich mehr Personal als im Normalfall umfasst. Drittens befindet sich die Universität in der attraktiven Metropolregion Rhein-Neckar, was unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Softwarefirmen wie SAP oder Huawei ermöglicht.
Die Informatikerin Pooja Rani erforscht, wie Software verständlicher, leichter nutzbar und nachhaltiger gemacht werden kann. Sie wechselte zum Sommersemester von der Universität Zürich an die Universität Mannheim. Zuvor hat sie an der Universität Bern promoviert und in verschiedenen Software-Unternehmen gearbeitet.
Wie wurden Sprachhürden im Verfahren berücksichtigt?
In Berufungsverfahren stellt die Universität Mannheim es den Bewerber:innen grundsätzlich frei, ob sie die Gespräche auf Deutsch oder Englisch führen möchten. Im Fall von Pooja Rani fanden die Berufungsverhandlungen auf Englisch statt, und damit fühlten sich alle Beteiligten wohl. Dass auch die Lehre im Fachbereich Informatik zu großen Teilen in englischer Sprache stattfinden kann, war für die Kandidatin ebenfalls ein wichtiger Punkt.
Wie erleichtert die Universität der Kandidatin den Einstieg in Universitätsleben und Alltag?
Die Universität Mannheim hat für Frau Rani ein über den Standard hinausgehendes Welcome Package geschnürt. Es beinhaltet ein individuelles Sprach-Coaching, die Teilnahme am Leadership-Programm der Mannheim Business School sowie ein individuelles Führungscoaching. Pooja Rani wird am Fachbereich zudem einen persönlichen Mentor haben, damit die Besonderheiten des deutschen Wissenschaftssystems keine Hürde für sie darstellen. Das Welcome Center der Universität wird sie bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen unterstützen. Die Förderung der Stiftung erlaubt unter anderem auch die Übernahme der Kosten für einen englischsprachigen Makler und einen Steuerberater.
Fakten zur Berufung
Art des Verfahrens
vorgezogene Neubesetzung für unbefristete Professur für Informatik (W3)
Dauer des Verfahrens
13 Monate von August 2024 bis September 2025
Start der Professur
April 2026
Anzahl der Bewerbungen
33
Anteil internationaler Bewerber:innen
36 %
Förderung durch
Wübben Stiftung Wissenschaft (Appointment Accelerator), Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder