
Best Practices in Hiring International Professors
Ende 2025 lud die Wübben Stiftung Wissenschaft erneut sechs Universitäten ein, am Workshop „Making it Work – Best Practices in Hiring International Professors“ teilzunehmen. Das jährlich stattfindende Arbeitstreffen zielt darauf ab, Herausforderungen bei der Berufung und Eingliederung internationaler Wissenschaftler zu diskutieren und praxisnahe Lösungen zu finden.
Das Treffen fand Ende November 2025 im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR statt, dem heutigen Sitz der European School of Management and Technology/ESMT. Am Vorabend eröffnete Hazel Grünewald mit einer abwechslungsreichen Keynote zum Thema „Finding your feet in the German academic system“. Die Professorin für Organizational Behaviour an der Hochschule Reutlingen hob die Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems hervor und beleuchtete die zentralen Herausforderungen, die internationalen Wissenschaftler:innen den Wechsel an deutsche Hochschulen erschweren. Ihre fundierte Analyse basierte auf wissenschaftlichen Studien und persönlichen Erfahrungen und bot so den idealen Einstieg in das Programm des nächsten Tages.
Praxisnahe Lösungen im internationalen Wettbewerb
Die internationalen Expert:innen der Stiftung dienten als Impulsgeber und Sparringspartner. Sie brachten externe Perspektiven, bewährte Praktiken und internationale Vergleichsmaßstäbe ein. Sie betonten, dass die aktuelle geopolitische Lage deutschen Universitäten eine historische Chance im internationalen Wettbewerb um Talente biete. Globale Verschiebungen in der Wissenschaftslandschaft, veränderte Bedingungen in traditionellen Zielländern und neue geopolitische Unsicherheiten beeinflussen die Entscheidungen exzellenter Forscher:innen weltweit. Deutschland bietet in diesem Kontext strukturelle Vorteile: ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem, garantierte Wissenschaftsfreiheit und attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen. Diese Faktoren ermöglichen es deutschen Universitäten, sich als internationaler Zielstandort für exzellente Wissenschaftler:innen zu positionieren.
Internationale Rekrutierung als strategische Kernaufgabe
Ein weiterer Schwerpunkt war der Stand der Internationalisierung an deutschen Universitäten. Neben Fortschritten wurden bestehende Hürden benannt, die internationale Berufungen erschweren und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen können. Universitäten sollten internationale Rekrutierung als strategische Kernaufgabe institutionell verankern. Entscheidend sei der Übergang von reaktiven zu systematischen, professionell unterstützten Rekrutierungsverfahren. Universitäten, die diese Gelegenheit nutzen, können ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und internationale Sichtbarkeit stärken und zur Resilienz des deutschen Wissenschaftssystems beitragen.
Von Stellenausschreibungen bis zu Dual-Career-Angeboten
Die Teilnehmer:innen erarbeiteten, wie Stellenausschreibungen gestaltet werden sollten, um internationale Kandidat:innen anzusprechen. Ausschreibungstexte müssen Erwartungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote klar benennen und systembedingte Besonderheiten transparent machen. Dual Career war ein zentrales Thema. Diskutiert wurden Chancen und Grenzen institutioneller Unterstützung, darunter Netzwerkangebote für Partner:innen und Serviceleistungen wie berufliche Beratung. Die Bedeutung eines strukturierten Onboardings, das sich an den Bedürfnissen internationaler Wissenschaftler:innen orientiert, wurde als entscheidend für eine erfolgreiche Integration hervorgehoben. Themen waren Bürokratie, Versicherungen, Steuern, Kinderbetreuung, Sprach- und Kulturvermittlung sowie das akademische Arbeitsumfeld. Fallbeispiele zeigten, wie gezielte Maßnahmen den Einstieg erleichtern können.
Langfristiger institutioneller Wandel nötig
Abschließend wurde die Notwendigkeit institutionellen Wandels für erfolgreiche internationale Rekrutierung und Bindung diskutiert. Zentral ist der Übergang von Absichtserklärungen zu etablierten Prozessen. Erfolgreiche Ansätze sollten systematisch identifiziert, verstetigt und auf andere Bereiche übertragen werden. Ebenso wichtig ist es, interne Verbündete zu mobilisieren, bereichsübergreifende Allianzen zu schaffen und die Dynamik für institutionelle Veränderung langfristig aufrechtzuerhalten.
Der Workshop verdeutlichte, dass die Gewinnung und Bindung internationaler Talente nur dann erfolgreich ist, wenn sie als gesamtinstitutionelle Aufgabe verstanden wird. Recruiting, Dual Career, Onboarding, Organisationskultur und Governance müssen kohärent zusammengedacht und kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Auch in diesem Jahr lädt die Stiftung Ende November 2026 wieder zum Praxisaustausch nach Berlin ein. Wollen Sie mit Ihrer Universität ebenfalls teilnehmen? Wir freuen uns über Ihre Interessensbekundung unter info@w-s-w.org. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Universitäten in Dreierteams mitwirken – bestehend aus Präsidiumsmitglied, einem/einer Vertreter:in des Berufungsstabs und einem/einer Teilnehmer:in der internationalen Abteilung.