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Deep Dive
Andrew CurryNr. 1/2026

Competing for Brains

Stra­te­gi­en aus Aus­tra­li­en, Nie­der­lan­de, Schweiz

In­ter­na­tio­na­le Talente sind ent­schei­dend für die In­no­va­ti­ons­kraft eines Wis­sen­schafts­stand­orts. Ein Blick auf Stra­te­gi­en in den Nie­der­lan­den, Aus­tra­li­en und der Schweiz zeigt, welche po­li­ti­schen Wei­chen­stel­lun­gen, Anreize und Re­for­men den glo­ba­len Wett­be­werb um Spit­zen­kräf­te mit ent­schei­den

In den letzten 20 Jahren haben Uni­ver­si­tä­ten welt­weit immer mehr in­ter­na­tio­na­le For­schen­de und Leh­ren­de an­ge­wor­ben – aus gutem Grund. Studien zeigen: Wis­sen­schaft­ler:innen mit in­ter­na­tio­na­ler Er­fah­rung sind pro­duk­ti­ver und knüpfen leich­ter Ko­ope­ra­tio­nen im Ausland. In­ter­na­tio­na­le For­schen­de ver­mit­teln Stu­die­ren­den neue Per­spek­ti­ven und be­rei­ten sie auf eine zu­neh­mend glo­ba­li­sier­te Welt vor. Wer die besten Talente ge­win­nen will, muss über Lan­des­gren­zen hin­aus­bli­cken.

Im Jahr 2023 be­schäf­tig­te Deutsch­land etwas mehr als 4.000 in­ter­na­tio­na­le Pro­fes­sor:innen, was jedoch gerade mal 8 Prozent der ge­sam­ten Pro­fes­so­ren­schaft an Uni­ver­si­tä­ten, Fach­hoch­schu­len und Kunst­hoch­schu­len aus­macht. Zählt man das gesamte wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal, liegt der Anteil bei 15 Prozent. Zum Ver­gleich: In den Nie­der­lan­den und Aus­tra­li­en liegt dieser Anteil bei fast 50 Prozent. An Schwei­zer Uni­ver­si­tä­ten haben 45 Prozent aller aka­de­mi­schen An­ge­stell­ten einen aus­län­di­schen Pass.

Was macht diese Länder so er­folg­reich in der In­ter­na­tio­na­li­sie­rung? Ein Pa­tent­re­zept gibt es si­cher­lich nicht: Es braucht Re­for­men und po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen auf allen Ebenen. Er­folg­rei­che Uni­ver­si­tä­ten setzen unter anderem auf ge­ziel­te Re­kru­tie­rung im Ausland und die Un­ter­stüt­zung von Dual-Career-Paaren. Na­tio­na­le Maß­nah­men wie in­ter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hi­ge Ver­gü­tungs­pa­ke­te, ver­ein­fach­te Vi­s­aver­fah­ren oder eng­lisch­spra­chi­ge Stu­di­en­gän­ge schaf­fen den Rahmen. Und manch­mal re­sul­tiert ein hoher Anteil in­ter­na­tio­na­ler Wis­sen­schaft­ler:innen auch aus po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen in anderen Be­rei­chen, bei­spiels­wei­se auf­grund einer Aus­wei­tung der An­ge­bo­te für in­ter­na­tio­na­le Stu­die­ren­de, die dann im Hoch­schul­sys­tem bleiben.

Wir haben Expert:innen aus drei Ländern mit be­son­ders hohem Anteil in­ter­na­tio­na­ler Wis­sen­schaft­ler:innen gefragt, wie es ihren Uni­ver­si­tä­ten ge­lun­gen ist, globale Talente an­zu­zie­hen, und welche Lehren sich daraus für Deutsch­land ergeben.

Nie­der­lan­de — Prag­ma­tis­mus und po­li­ti­scher Wille

Kaum ein Land hat sein Hoch­schul­sys­tem so ent­schlos­sen in­ter­na­tio­na­li­siert wie die Nie­der­lan­de. Seit 2003 hat sich die Zahl der nicht-hei­mi­schen Mit­ar­bei­ten­den an den Uni­ver­si­tä­ten des Landes mehr als ver­dop­pelt; an einigen beträgt sie mitt­ler­wei­le über 60 Prozent. Evelien Hack ar­bei­tet als Team­lei­te­rin für Stra­te­gie und In­no­va­ti­on bei Nuffic, der nie­der­län­di­schen Agentur für In­ter­na­tio­na­li­sie­rung im Bil­dungs­we­sen. Sie sagt, der Erfolg des Landes sei vor allem auf die pra­xis­ori­en­tier­te und un­ter­neh­me­ri­sche Kultur sowie den nötigen po­li­ti­schen Willen zu­rück­zu­füh­ren.

Die po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger:innen in den Nie­der­lan­den setzen seit Jahr­zehn­ten auf die ge­ziel­te An­wer­bung in­ter­na­tio­na­ler Wis­sen­schaft­ler:innen. Für ein Land mit 18 Mil­lio­nen Men­schen ist dies eine prag­ma­ti­sche Ent­schei­dung. „Als kleines Land sind wir auf die Au­ßen­welt an­ge­wie­sen, also geben wir unseren Stu­die­ren­den so viele Werk­zeu­ge wie möglich an die Hand, um in­ter­na­tio­nal er­folg­reich zu sein“, sagt Hack.

Ein ent­schei­den­der Schritt war die Ein­füh­rung eng­lisch­spra­chi­ger For­schungs­pro­gram­me und Cur­ri­cu­la. Viele Mas­ter­pro­gram­me werden heute aus­schließ­lich auf Eng­lisch an­ge­bo­ten. Das hat in­ter­na­tio­na­le Stu­die­ren­de an­ge­zo­gen und gleiche Chancen für Kan­di­dat:innen aus dem Ausland ge­schaf­fen, die auf Eng­lisch un­ter­rich­ten. Gleich­zei­tig stieg der Bedarf an in­ter­na­tio­na­len Leh­ren­den. „In den letzten 25 Jahren war es daher wirk­lich einfach, auch die For­schungs­pro­gram­me auf Eng­lisch um­zu­stel­len“, sagt Hack. Kritik am Kul­tur­ver­lust blieb gering, auch wenn der Wi­der­stand in den ver­gan­ge­nen Jahren zu­ge­nom­men hat. „Unsere Tra­di­tio­nen be­stehen, aber wir sind eben prag­ma­tisch: Wenn wir die Zahlen der Stu­die­ren­den stei­gern können, dann tun wir es.“

Evelien Hack hebt auch die Be­deu­tung der steu­er­li­chen Vor­tei­le („Expat“-Steu­er­ge­set­ze) für hoch­qua­li­fi­zier­te Zu­wan­der:innen hervor. Bis vor Kurzem mussten Spit­zen­ver­die­nen­de in den ersten fünf Jahren nur einen Teil ihres Ein­kom­mens ver­steu­ern. Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen senkten auch die Kosten für den Kauf eines Hauses für Migrant:innen. Beide Maß­nah­men wurden ent­wi­ckelt, um die Hürden für einen Neu­an­fang in den Nie­der­lan­den zu senken. „Es war darauf aus­ge­rich­tet, Pro­fes­sor:innen die Ein­rei­se und den Auf­ent­halt at­trak­tiv zu machen“, sagt Hack. „Zudem erhält man viel schnel­ler ein Visum. All dies sind na­tio­na­le Vor­ga­ben, um die An­wer­bung von Wis­sen­schaft­ler:innen zu er­leich­tern.“

Nie­der­län­di­sche Uni­ver­si­tä­ten ver­öf­fent­li­chen ihre Stel­len­an­ge­bo­te auf in­ter­na­tio­na­len Por­ta­len, und die Ge­häl­ter, die sie an­bie­ten, sind mit denen in ver­gleich­ba­ren Ländern kon­kur­renz­fä­hig. Zudem gibt es ge­ziel­te An­ge­bo­te für Dual-Career-Paare. „Man hat erkannt, dass dies ein Hin­der­nis dar­stell­te, und gezielt auch die Ehe­part­ner:innen un­ter­stützt“, sagt Hack. Das Er­geb­nis all dieser Be­mü­hun­gen kann sich sehen lassen: In einigen Be­rei­chen – etwa In­ge­nieur­we­sen, Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten und Na­tur­wis­sen­schaf­ten – liegt der Anteil in­ter­na­tio­na­ler Wis­sen­schaft­ler:innen und Mit­ar­bei­ten­der zu­sam­men­ge­nom­men bei weit über 50 Prozent. Das Land hat davon pro­fi­tiert. Nie­der­län­di­sche Uni­ver­si­tä­ten sichern sich über­pro­por­tio­nal viele eu­ro­päi­sche For­schungs­gel­der. 2025 be­leg­ten sie bei den För­der­mit­teln des Eu­ro­päi­schen For­schungs­rats (ERC) den dritten Platz hinter deut­lich grö­ße­ren Ländern wie Deutsch­land und Groß­bri­tan­ni­en. Ein Grund dafür ist, dass ihre Wis­sen­schaft­ler:innen auf dem ge­sam­ten Kon­ti­nent gut ver­netzt sind.

Es reicht nicht aus, in­ter­na­tio­na­len Ta­len­ten das Kommen zu er­leich­tern – es ist ebenso wichtig, ihren Auf­ent­halt at­trak­tiv zu ge­stal­ten.

Was das nie­der­län­di­sche Bei­spiel auch zeigt: Es reicht nicht aus, in­ter­na­tio­na­len Ta­len­ten das Kommen zu er­leich­tern – es ist ebenso wichtig, ihren Auf­ent­halt at­trak­tiv zu ge­stal­ten. In ihrer Funk­ti­on als Team­lei­te­rin für Stra­te­gie und In­no­va­ti­on bei Nuffic befragt Hack häufig Pro­fes­sor:innen dazu, warum sie sich ent­schie­den haben, in den Nie­der­lan­den zu bleiben. Viele nennen die aka­de­mi­sche Frei­heit, die ega­li­tä­re Kultur und die aus­ge­wo­ge­ne Ein­stel­lung des Landes zur be­ruf­li­chen Lauf­bahn. „Die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Pri­vat­le­ben ist etwas, das viele Pro­fes­sor:innen zu schät­zen wissen“, sagt Hack.

Aus­tra­li­en — in­ter­na­tio­na­le Netz­wer­ke und ge­ziel­te Re­kru­tie­rung in Asien

Anders als in den Nie­der­lan­den ist die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung der Uni­ver­si­tä­ten in Aus­tra­li­en eng mit der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik ver­knüpft. Das Land bemüht sich seit Langem, qua­li­fi­zier­te Ein­wan­der:innen an­zu­wer­ben und zu halten.

Bis 1939 war das Hoch­schul­sys­tem klein und stark vom bri­ti­schen Ko­lo­ni­al­er­be geprägt. Nach dem Zweiten Welt­krieg änderte sich dies: Jü­di­sche Wis­sen­schaft­ler:innen aus Europa fanden Zu­flucht in Aus­tra­li­en, zu­sam­men mit einer Flut von Nach­kriegs­flücht­lin­gen aus Mittel- und Ost­eu­ro­pa. In den letzten Jahr­zehn­ten kamen vor allem Migrant:innen aus be­nach­bar­ten asia­ti­schen Ländern wie China und Vietnam hinzu, dar­un­ter auch viele Aka­de­mi­ker:innen.

In einem kürz­lich er­schie­ne­nen Artikel ar­gu­men­tier­te Anthony Welch, Pro­fes­sor für Er­zie­hungs­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­ty of Sydney, dass ein wich­ti­ger Grund für Wis­sen­schaft­ler:innen, nach Aus­tra­li­en zu kommen, die Be­zah­lung sei. Ten­den­zi­ell liegt sie über den Ge­häl­tern für Pro­fes­sor:innen in anderen eng­lisch­spra­chi­gen Ländern wie Kanada und Groß­bri­tan­ni­en. Sie ist auch höher als in be­nach­bar­ten asia­ti­schen Ländern, für deren Be­völ­ke­rung Aus­tra­li­en ein be­gehr­tes Ein­wan­de­rungs­ziel ist.

Die eng­lisch­spra­chi­gen Wurzeln des Systems er­leich­tern zudem die In­te­gra­ti­on in Netz­wer­ke nach US- und UK-Vorbild. Fast ein Drittel der aus­tra­li­schen Aka­de­mi­ker:innen hat ent­we­der in den USA oder in Groß­bri­tan­ni­en pro­mo­viert.

„Groß­bri­tan­ni­en, die USA und Aus­tra­li­en haben ähn­li­che Prak­ti­ken und Bil­dungs­tra­di­tio­nen und ein hohes Maß an Aus­tausch und Ab­stim­mung“, sagt Chris Ziguras, Di­rek­tor des Zen­trums für Hoch­schul­for­schung an der Uni­ver­si­ty of Mel­bourne. „Wir sind zwar sehr in­ter­na­tio­nal, aber ein Groß­teil unserer Zu­sam­men­ar­beit findet mit anderen eng­lisch­spra­chi­gen Ländern statt.“

Für Länder wie Deutsch­land ist eine solch enge Ver­zah­nung mit den Hoch­schul­sys­te­men der USA und Groß­bri­tan­ni­ens kaum vor­stell­bar. „Deut­sche Uni­ver­si­tä­ten haben ihre eigene interne Logik, und die Tiefe des Systems und seine Ge­schich­te er­schwe­ren die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung“, betont Ziguras.

In den letzten Jahren haben aus­tra­li­sche Uni­ver­si­tä­ten ver­stärkt den asia­ti­schen Raum ins Visier ge­nom­men. „ Po­li­ti­ker:innen  haben die Uni­ver­si­tä­ten und Schulen er­mu­tigt, sich in Asien zu en­ga­gie­ren“, sagt Ziguras. Viele Uni­ver­si­tä­ten un­ter­hal­ten Stand­or­te in Indien, China, In­do­ne­si­en und anderen Ländern, die das Profil der aus­tra­li­schen Uni­ver­si­tä­ten schär­fen und Mög­lich­kei­ten zur Re­kru­tie­rung und Zu­sam­men­ar­beit mit in­ter­na­tio­na­len Wis­sen­schaft­ler:innen ver­bes­sern. Und von den Hun­dert­tau­sen­den in­ter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den, die zum Studium nach Aus­tra­li­en kommen, bleiben einige und schla­gen eine aka­de­mi­sche Lauf­bahn ein. Ins­ge­samt sind die Er­geb­nis­se be­mer­kens­wert. 2026 waren 45 Prozent des aus­tra­li­schen Hoch­schul­per­so­nals im Ausland geboren – fast doppelt so viele wie im Be­völ­ke­rungs­durch­schnitt.

Doch die öf­fent­li­che Meinung zur Ein­wan­de­rung hat sich – ähnlich wie in den USA – ge­wan­delt. Die Re­gie­rung hat die Uni­ver­si­tä­ten kürz­lich dazu auf­ge­for­dert, ihre in­ter­na­tio­na­le Re­kru­tie­rung zu­rück­zu­fah­ren und die Ge­büh­ren für Stu­den­ten­vi­sa zu erhöhen. „Das er­öff­net Chancen für andere Länder“, sagt Chris Ziguras von der Uni­ver­si­ty of Mel­bourne.

Die Schweiz — in­ter­na­tio­na­le Spit­zen­kräf­te als Teil des Selbst­ver­ständ­nis­ses

In der Schweiz hin­ge­gen ist Ein­wan­de­rung eher eine Ne­ben­sa­che, wenn es darum geht, in­ter­na­tio­na­le Wis­sen­schaft­ler:innen oder Stu­die­ren­de an­zu­wer­ben. Das sagt Hans-Dieter Daniel, Psy­cho­lo­ge und Hoch­schul­for­scher an der ETH Zürich. Er wurde in Deutsch­land aus­ge­bil­det und war fast zwei Jahr­zehn­te lang Leiter des Eva­lua­ti­ons­bü­ros der Uni­ver­si­tät Zürich. Daniel ar­gu­men­tiert, dass die Un­ter­stüt­zung für die Re­kru­tie­rung in­ter­na­tio­na­ler Pro­fes­sor:innen statt­des­sen in der Über­zeu­gung der Schwei­zer:innen be­grün­det liegt, die besten Talente für das Land ge­win­nen zu wollen. „In Deutsch­land ist das anders“, sagt er.

Um eine wirk­lich globale Auswahl si­cher­zu­stel­len, werden in der Schweiz in­ter­na­tio­na­le Fach­gut­ach­te­rin­nen und -gut­ach­ter in Be­ru­fungs­ver­fah­ren ein­be­zo­gen.

„Wenn Stellen frei werden, ist zwar immer die Rede davon, die Besten aus­wäh­len zu wollen, aber wenn man sich den Ein­stel­lungs­pro­zess ansieht, geht es in Wirk­lich­keit darum, die besten Deut­schen aus­zu­wäh­len.“ Um eine wirk­lich globale Auswahl si­cher­zu­stel­len, werden in der Schweiz in­ter­na­tio­na­le Fach­gut­ach­te­rin­nen und -gut­ach­ter in Be­ru­fungs­ver­fah­ren ein­be­zo­gen.

Dabei hilft es, dass die wenigen Uni­ver­si­tä­ten des Landes gut fi­nan­ziert sind, über reich­lich Res­sour­cen und per­so­nel­le Un­ter­stüt­zung für Pro­fes­sor:innen ver­fü­gen, ihre Budgets stetig auf­sto­cken und sich auf Spit­zen­for­schung kon­zen­trie­ren. Zudem sei das Schwei­zer Hoch­schul­sys­tem stärker for­schungs­ori­en­tiert, „während der Schwer­punkt in Deutsch­land auf der Lehre liegt“, betont Daniel.

Für ein Land mit einem Zehntel der Be­völ­ke­rung Deutsch­lands sind die Erfolge enorm. Drei der Schwei­zer Uni­ver­si­tä­ten zählen zu den Top 100 welt­weit im QS World Uni­ver­si­ty Ranking 2026, während nur fünf deut­sche Uni­ver­si­tä­ten da­zu­ge­hö­ren. Die ETH Zürich gilt zudem als eine der zehn besten Uni­ver­si­tä­ten welt­weit. „Das ist sehr wichtig für das Selbst­ver­ständ­nis der Schwei­zer Be­völ­ke­rung“, sagt Daniel. Im Jahr 2004 kamen etwas mehr als 40 Prozent der Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor:innen des Landes aus dem Ausland, heute bereits mehr als die Hälfte.

Von welchen Stra­te­gi­en kann Deutsch­land pro­fi­tie­ren?

In vie­ler­lei Hin­sicht ver­sucht Deutsch­land auf­zu­ho­len. Doch während sich die Zahl der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ten­den mit in­ter­na­tio­na­lem Le­bens­weg an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten seit 2012 fast ver­dop­pelt hat, ist die Zahl der Pro­fes­sor:innen aus dem Ausland nach wie vor relativ gering.

Laut Daniel gäbe es zahl­rei­che An­satz­punk­te für Ver­bes­se­run­gen: Öf­fent­lich fi­nan­zier­te Uni­ver­si­tä­ten in Deutsch­land hätten zwar oft nicht die Mittel, um mit na­tio­nal fi­nan­zier­ten Spit­zen­uni­ver­si­tä­ten in anderen Ländern mit­zu­hal­ten. Die Über­nah­me von Stra­te­gi­en aus den Nie­der­lan­den – etwa weniger Bü­ro­kra­tie und mehr eng­lisch­spra­chi­ge Lehr­an­ge­bo­te – könnte die At­trak­ti­vi­tät Deutsch­lands für aus­län­di­sche Wis­sen­schaft­ler:innen jedoch deut­lich ver­bes­sern.

Zudem könnte es ein wich­ti­ger Schritt sein, Wege zu finden, um Stu­die­ren­de und Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler:innen als Lehr­kräf­te und For­schen­de im Hoch­schul­sys­tem zu halten, wie dies in Aus­tra­li­en der Fall ist. Über DAAD- und Alex­an­der-von-Hum­boldt-Sti­pen­di­en fi­nan­ziert Deutsch­land bei­spiels­wei­se Tau­sen­de in­ter­na­tio­na­le Gra­du­ier­te und Post­dok­to­rand:innen. Noch mehr in­ter­na­tio­na­le Talente ar­bei­ten an den re­nom­mier­ten Max-Planck-In­sti­tu­ten und anderen global wett­be­werbs­fä­hi­gen For­schungs­ein­rich­tun­gen. Aber nur sehr wenige dieser klugen Köpfe gehen im wei­te­ren Verlauf ihrer Kar­rie­re an deut­sche Uni­ver­si­tä­ten, um dort zu lehren und zu for­schen. „Warum werden nicht mehr Post­dok­to­rand:innen aus Max-Planck-In­sti­tu­ten auf Pro­fes­su­ren berufen? Sie ver­ste­hen und spre­chen oft bereits Deutsch und kennen die Kultur“, betont Daniel. „Die aka­de­mi­schen Kar­rie­re­we­ge sollten in Deutsch­land durch­läs­si­ger werden.“

Andrew Curry ist ein preis­ge­krönter Jour­na­list und be­rich­tet aus fünf Kon­ti­nen­ten unter anderem über Wis­sen­schaft und Politik. Seine Bei­trä­ge er­schei­nen in Pu­bli­ka­tio­nen wie Science oder The New York Times.